Gefeierte Oldie-Parade in Köln

Der Schmusesänger Howard Carpendale gibt sich in der Lanxess-Arena ein bisschen rockig.

Schubidamdam. Daran kommt Howard Carpendale nicht vorbei, auch wenn er sich bei seinem Auftritt in der Kölner Lanxess-Arena noch so abgeklärt und altersweise gibt. "Du fängst den Wind niemals ein, schubidamdam", das kann jeder mitsingen, und die Fans (75 Prozent weiblich und jenseits der 50) tun es aus vollem Hals und schwenken dazu die Leuchtstäbe. Dabei ist der Hitparadenstürmer der 70er und 80er Jahre doch eigentlich angetreten, um sein neues Album "Das alles bin ich" vorzustellen.

Tatsächlich aber präsentiert der füllig gewordene 65-Jährige mit einer zehnköpfigen Band im Rücken ein "Best of" aus über vierzigjähriger Schlagerkarriere: "Nachts, wenn alles schläft" und "Samstagnacht" fehlen ebenso wenig wie das unvermeidliche "Hello again", das textsichere Besucher samt lautstarkem "uhuhuh uhuh" ebenso mitsingen wie das trotzige "Dann geh' doch".

Comeback nach vier Jahren Bühnenabstinenz

Howie, der sich mit seinem Kölner Konzert 2003 tränenreich aus dem Showbusiness zurückzog und bald merkte, dass er ihn Golfspielen und Aktienjonglage allein nicht glücklich machten, kehrte nach vierjähriger Abstinenz auf die Bühne zurück. Der gebürtige Südafrikaner ist ein Vollprofi, der die Menge natürlich auch mit "Ti amo" und "Du bist alles" beglückt. "Love me tender" haucht er als Hommage an sein Idol Elvis Presley ins Mikro, nur bei "Suspicious Mind" gerät die Föhnwelle leicht in Unordnung, ansonsten sitzt jede Geste des blonden Frauenschwarms im schwarzen Maßanzug perfekt.

"Sind Sie freiwillig da?", fragt er sympathisch selbstironisch einen Herrn in der ersten Reihe. Carpendale nimmt freundlich händeschüttelnd ein Bad in der Menge, um dann auf einem kleinen Podest mitten im Innenraum aufzutauchen und von hier aus tatsächlich so etwas wie Intimität zu verbreiten.

Watteweiches wird rockig

Manches, was sich über die Jahre so watteweich ins Ohr geschmeichelt hat, klingt live deutlich rockiger. Das ist der Band zu verdanken, die die Oldies teils knackig modernisiert hat, auch wenn die funkig aufgehübschte Version von "Ob-la-di, ob-la-da" nicht zu stärksten Nummern gehört. Howard Carpendale lässt nichts aus in dieser frenetisch gefeierten Oldie-Parade. "Deine Spuren im Sand", "Da nahm er seine Gitarre" und "Tür an Tür mit Alice" haben Schlagergeschichte geschrieben und erwärmen schon der nächste Fan-Generation das Herz.

Auf der Bühne häufen sich am Ende Blumen und Geschenke und man kann sicher sein, dass die Fans auch den Film mit Sohn Wayne (24. Februar, ARD) einschalten werden, von dem sie vorab ein Video-Häppchen zu sehen bekamen.

Mehr von GA BONN