Gedok-Künstlerinnen stellen im Haus an der Redoute aus

Gedok-Künstlerinnen stellen im Haus an der Redoute aus

Preisträgerin bricht asketische Grundregel - "1+1 ist mehr als zwei"

Bonn. Der Gefahr der Verzettelung, dem beliebigen Untertauchen in einem Universalthema entgeht die Gedok Bonn derzeit mit einer zum Ausstellungsmotto erhobenen, weisen Mathematikparabel; mit der zunächst schleierhaften Formel "1 + 1 ist mehr als zwei" stellen 22 Mitglieder (darunter drei Gastkünstlerinnen) zum 55-jährigen Bestehen der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer durchweg anspruchsvolle Statements in den Raum.

"Das Pluszeichen und das Stichwort mehr® implizieren schlichtweg die Herausforderung, kompakte Werkbilanzen zu liefern", erläutern Gitta Briegleb und Margrit Gloger. Anhand ihrer skizzenhaften Auszüge aus neuer, kryptischer Tuschmalerei und virulenter Pioniergrafik kann man die allgegenwärtige Konzentration modellhaft ablesen. In die Kunst des Kurzzitats zwingt auch Therese Polus-Arzt ihre neuerlichen Wüstenabenteuer.

Ein weiteres Pluszeichen setzt die Vorgabe, den Bildradius auf einen Quadratmeter zu beschränken. Auf diese Weise unterstreicht eine lockere Hängung den eher malerisch beschwingten Charakter einer, auf die historische Umgebung reagierenden Galaschau. Eine Ausnahme allerdings bricht die asketische Grundregel: die Arbeiten der 1957 in Essen geborenen und an der FH Aachen diplomierten Annette Sauermann.

Gerade mal zwei Jahre im Bonner Gedok-Kollegium hat sich die Bildhauerin den begehrten, von Gabriele Vossebein gestifteten "Dr. Theobald Simon Preis" (5 000 Euro) gesichert. Riesenhafte Räderwerke (Beton, Transparentfolie) und ein Zeichenkabinett repräsentieren die werk~immanenten Gelenkstellen der von der visuellen Kommunikation kommenden Bildhauerin. Im Kreuzfeuer der Arbeiten stehen Entsprechungen, Polaritäten schaffende Techniken und ein differenziert aufgefächerter Schwerpunkt.

"Meine Arbeiten sind im Grunde Projektions- beziehungsweise Reflektionsfläche für das Licht", resümiert Sauermann. Deren Bildhauerkolleginnen setzen parallel auf humorvolle, metaphorische oder gar randexistentielle Zweierdebatten. Gemäldeduette, die konkret oder abstrakt "Dialog", Korrespondenzen, Pendants, "Akkorde" oder Dualitäten und Kontraste herauskristallisieren, dominieren das sehenswerte Panorama.

Gotische Gruselromantik erweckt gewitzt Nestorin Edith Oellers-Teuber zum Leben, derweil Babara Kroke die legendäre Sehnsucht nach der blauen Blume in ein, von versandeten Linien umzingeltes Petrolleuchtfeuer uminterpretiert. Poesie und Magie vereinen sich in Kompositionen, die Wirkung, Einfluss und Bedeutung von Licht und Schatten aufspüren. Das Spiel mit menschlichen, räumlichen Front-und Rückenseiten, Oben und Unten, Rechts und Links vollenden wohl das heiter durchkomponierte Doubleintermezzo von Viktoria Westmacott-Wrede.

Haus an der Redoute, Kurfürstenallee 1a, bis 28. Oktober, Di. bis Do. 10 bis 17 Uhr. Katalog 5 Euro.

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