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Brühler Schlosskonzerte: Galanter Tonfall - "Le Concert Lorrain" überrascht

Brühler Schlosskonzerte : Galanter Tonfall - "Le Concert Lorrain" überrascht

"Ich liebe ihn (wie sie wohl wissen) von ganzem herzen - und habe hochachtung für ihn": So der 22-jährige Mozart in einem Brief über den "Engländer Bach". Gemeint ist Johann Christian, der jüngste Sohn von Johann Sebastian Bach, der beim Brühler Schlosskonzert "Mozarts Väter" als einer der Komponisten zur Aufführung kam, die der junge Mozart bewundert hat.

Im Treppenhaus von Schloss Augustusburg stattete das Ensemble "Le Concert Lorrain" Johann Christian Bachs Quintett D-Dur für Oboe, Flöte, Violine, Viola und Cello mit der liebenswürdigen Anmut aus, die es zum Leuchten bringt. Der Dialog zwischen Traversflöte (Patrick Beuckels) und Barockoboe (Markus Deuter) ist ein zauberhaftes Beispiel für den galanten Tonfall, den der von der italienischen Oper geprägte Bach so perfekt beherrschte.

Auch bei Papa Haydns Divertimento G-Dur für Flöte, Geige und Cello bewährt sich die historisch informierte Aufführungspraxis des Ensembles: Dezent dirigiert von Cellist Stephan Schultz, spielen die Musiker des Concert Lorrain mit so viel Risikobereitschaft, Transparenz und Freude an der präzisen Artikulation, dass dem Publikum das Stillsitzen schwerfällt.

Mozart selbst ist mit einem Oboen- (KV 370) und einem Flötenquartett (KV 285) vertreten, in denen sich die beiden Bläsersolisten noch einmal so richtig austoben dürfen. Markus Deuter gestaltet seinen virtuosen Part mit großer Delikatesse und Leichtigkeit; Patrick Breuckels setzt über das Streicherpizzicato im Adagio des Flötenquartetts strahlende Kantilenen. Kein Mozart-Vater, sondern Schüler und treuer Freund war Franz Xaver Süßmayr, dessen D-Dur-Quintett zum Abschluss des Abends noch einmal für eine Überraschung sorgt: So viel Witz, Originalität und Schwung hätte man dem gelehrigen Oberösterreicher gar nicht zugetraut.