Gabriela Montero und Gautier Capuçon präsentieren "Rhapsody" im Arithmeum

Gabriela Montero und Gautier Capuçon präsentieren "Rhapsody" im Arithmeum

Sinnlichkeit und Leidenschaft des Piano-Cello-Duetts in der Reihe "Concerto Discreti"

Bonn. Zwei Mal hatte sie krankheitsbedingt absagen müssen - nun endlich war sie da. Gabriela Montero gab ihr lang ersehntes Gastspiel in der Reihe der "concerti discreti" im Arithmeum, veranstaltet von der Deutschen Welle.

Die als Grenzgängerin zwischen Klassik und Jazz bejubelte Pianistin präsentierte sich allerdings nicht mit einem Soloabend, sondern trat zusammen mit dem Cellisten Gautier Capuçon auf. Das Programm "Rhapsody" (so auch der Titel der aktuellen CD) präsentierte Cellosonaten von Prokofjew, Mendelssohn und Rachmaninow. Ein Abend also mit ausgesprochen sinnlicher, leidenschaftlicher, unmittelbar bewegender Musik, für die sich kaum bessere Interpreten denken lassen.

Seit 2006 arbeitet das Duo Montero-Capuçon zusammen. Man sei eine künstlerische Persönlichkeit mit den beiden Hälften Klavier und Cello, hat Gabriela Montero den Grad der Perfektion und der traumwandlerischen Sicherheit im Zusammenspiel einmal beschrieben. Das Konzert im Arithmeum legte davon beredtes Zeugnis ab.

Ein Höchstmaß an Hingabe und Leidenschaft vereinte sich mit klugem Spannungsaufbau und einem Gespür für kleinste Finessen. Grandios, wie das Duo atmosphärische Wechsel in Szene setzte, die Zeit still stehen ließ oder hintergründigen Witz (zweiter Satz der Prokofjew-Sonate) erfasste. Das Andante der Rachmaninow-Sonate spielte man wunderbar diskret und vornehm, und mitreißend den Kopfsatz der zweiten Mendelssohnschen Cellosonate, der zu einem rauschhaften Ereignis wurde.

Gabriela Montero betörte mit ebenso nuanciertem wie federndem, zupackendem Spiel, sie beschwor Chopins Delikatesse wie Lisztschen Furor, Capuçon spielte die klanglichen Reize seines ungemein voluminös und satt klingenden Instrumentes voll aus. Ihm entlockte er Kantilenen von seltener Intensität, wusste es aber auch sehr pointiert, manchmal mit schneidender Schärfe, einzusetzen.

Ungemein packend geriet dem Duo das Allegro scherzando aus der Rachmaninow-Sonate, ein flackerndes, geisterhaftes Stück in der Nachfolge romantischer Scherzi. Man fieberte förmlich mit.

Verzichten musste das Publikum auf eine Kostprobe der Improvisationskünste von Montero. Leider, möchte man sagen. Eine Prise Lockerheit hätte dem Programm eine schöne Nuance hinzugefügt. Als Zugaben spendierten die Künstler stattdessen mit der "Vokalise" und der achtzehnten Variation aus der "Rhapsodie über ein Thema von Paganini" noch mehr Rachmaninow.

Eine Aufnahme des Konzerts ist als Audio on demand unter www.dw-world.de/english abzurufen. Die Bereitstellung als kostenfreien Podcast untersagte die Vertragsfirma der Künstler. Dass es als Zugaben nur zwei Werke von der aktuellen CD gab, war vor diesem Hintergrund vielleicht nicht ganz zufällig.

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