Fulminantes Finale: Georg Schramm mit Soloprogramm im Pantheon

Fulminantes Finale: Georg Schramm mit Soloprogramm im Pantheon

Bekennender Preuße zeigt, was Kabarett kann - Pflegenotstand auf den Punkt gebracht

Bonn. Niemand soll sagen, er habe nicht alles versucht. Vier Jahre und vier Monate lang hat der freundliche Vertreter der Stiftungsinitiative "Leben jetzt" Deutschland wieder auf die Beine helfen wollen. Und wie? Die Methode ist verblüffend einfach und geradezu beängstigend logisch.

Man gebe einem Hartz IV-Empfänger - laut Definition eines deutschen Großbankchefs auch "totes Humankapital" - Monat für Monat 1 500 Euro bar auf die Hand und mache ihm zum ebenso fleißigen wie unkritischen Konsumenten. Das stützt den Binnenmarkt - gesetzt den Fall, dass unser Konsument sich vertragsgemäß mit 55 Jahren aus dem Diesseits verabschiedet und sich ein Dahinvegetieren als Nummer 08/15 im Pflegeheim gnädig erspart.

Lothar Dombrowski, seines Zeichens bekennender Preuße mit Pomade im Haar, angewidertem Gesichtsausdruck und dem schwarzen Handschuh als Markenzeichen, würde im Leben nicht bei denen mitmachen. Warum - das hat er alias Georg Schramm den Zuschauern im ausverkauften Pantheon bei einem fulminanten Finale seines Soloprogramms "Thomas Bernhard hätte geschossen" unter der Regie von Rainer Pause en detail erklärt.

Gut drei Stunden, die zeigen, was Kabarett kann. Und wie brillant-gemein Schramm schon war, lange bevor die ökonomische und gesellschaftliche Krise dieser Tage ihm mehr als genug Munition an die Hand gab. So werden aus geplanten 60 Minuten der ersten Hälfte gut und gerne 92.

Eineinhalb Stunden, in denen August, der alte Gewerkschafter und Gründer der Arbeitsgruppe "Sozialdemokraten in der SPD", laut darüber sinniert, ob er mit "Mutti" daheim nach ihrem Schlaganfall nicht vielleicht lieber noch einen letzten Schnaps genommen hätte, anstatt den Notarzt zu rufen.

Bitterer und pointierter hat den Pflegenotstand hierzulande noch keiner auf den Punkt gebracht. Oberstleutnant Sanftleben hingegen hat sich längst in den Sarkasmus gerettet: "Das Leben als solches endet oft tödlich. Aber was machen wir bis dahin?" Immerhin ist der Friede in Europa bei Geburtenraten von 0,6 Söhnen so stabil wie nie zuvor. "Nicht zu vergleichen der französischen Banlieue mit einer Quote von 4,5 Söhnen, wo schlecht gelaunte junge Männer auf der Straße herumlungern".

Mit deren Stimmung kann Dombrowski offenbar ohne Weiteres mithalten und fragt sich den ganzen Abend über, wie lange die Deutschen es sich noch gefallen lassen werden, derart infam belogen, betrogen und aufeinandergehetzt zu werden. Die Wut ist echt, die Verzweiflung überzeugend.

Und dass Dombrowski sich letztlich doch nicht als logische Folge seines Abgesangs die Kugel geben wird, hat alle erleichtert, die auch ihm Ovationen erwiesen haben und sich schon jetzt auf Schramms (und Pauses) neuen Rundumschlag 2010 freuen.