Premiere am Sonntag: François-Xavier Roth dirigiert seine erste Strauss-Oper

Premiere am Sonntag : François-Xavier Roth dirigiert seine erste Strauss-Oper

„Salome“ in Köln: Nachdem der Dirigent sich bereits intensiv mit dem Orchesterwerk des Komponisten auseinandergesetzt hat, will er jetzt das Bühnenwerk erobern.

Für einen gestandenen Musikchef eines Opernhauses ist es fast ein überraschendes Debüt: François-Xavier Roth, Jahrgang 1971, dirigiert am kommenden Sonntag zum ersten Mal in seiner Karriere eine Oper des Komponisten Richard Strauss. Auf dem Pult im Kölner Staatenhaus wird die Partitur der „Salome“ liegen. Dabei kann man den Gürzenich-Kapellmeister ohne weiteres als Strauss-Kenner bezeichnen. „Ich habe alle seine Orchesterwerke dirigiert und aufgenommen“, erwähnt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Damals noch nicht mit dem Kölner Orchester, sondern mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg. Im Ergebnis gehen diese Einspielungen laut Kritikermeinung weit über Routineware hinaus, man attestiert dem Dirigenten, Interpretationen von atemberaubender Qualität geschaffen zu haben.

Insofern ist der Schritt zur Oper ein logischer. Auch für Roth selbst: „Strauss hat sehr lange damit gewartet, Oper zu komponieren. Das macht es auch für mich interessant“, sagt er. Roth folgt sozusagen chronologisch den Entwicklungsschritten des Komponisten. Vor dem Hintergrund der Tondichtungen, die bis auf die Alpensinfonie alle vor der „Salome“ entstanden, könne er spüren, wie Strauss bei der Komposition der Oper vorgehe, wie er das Orchester behandle, wie er dosiere und die Klänge organisiere.

Die Antwort der Frage, warum er sich für die „Salome“ entschieden habe, liegt vor diesem Hintergrund auf der Hand. Sie ist nach den Frühwerken „Guntram“ und „Feuersnot“ das erste wirklich bedeutende Bühnenwerk des Komponisten. Außerdem sagt Roth: „Ich wähle generell gern chronologisch aus. Meine erste Wagner-Oper war der 'Holländer'.“

Mit nicht einmal zwei Stunden Aufführungsdauer handelt es sich bei dem Einakter „Salome“ um eine eher kurze Oper. Roth: „Es ist ganz erstaunlich, dass man beim Dirigieren gar nicht das Gefühl hat, dass sie kompakt wäre. Die Bühnenaktion ist zwar sehr konzentriert, aber durch die Musik erhält das alles etwas sehr Fließendes, Bewegliches.“

Warum Strauss auf das im Original französischsprachige Drama von Oscar Wilde zurückgriff, das er in der deutschen Übersetzung von Hedwig Lachmann vertonte, kann sich Roth nicht so ganz erklären. „Das ist für mich ein Mysterium“, sagt er. „Vielleicht hat es damit zu tun, dass in der Zeit in Europa Wissenschaften wie Sigmund Freuds Psychoanalyse neue Impulse brachten. Die subversive Geschichte der Salome macht in diesem Kontext einen Sinn. Aber dennoch frage ich mich, warum er diese schockierende Handlung am Anfang des 20. Jahrhunderts ins Opernhaus hineinträgt. Sie ist so stark und so provokant, dass sie eigentlich nicht zu dem Bild passt, das wir heute von Richard Strauss haben. Wir denken ihn uns als einen Konservativen.“

Eine Aufführung der „Salome“ ist auch heute noch eine Herausforderung, die mit der Besetzung der Titelpartie anfängt. Salome, die von ihrem Stiefvater Herodes für einen Tanz den Kopf des Propheten Jochanaan fordert, ist im Drama eine sehr junge Frau, fast noch ein Mädchen. In der Oper aber muss sie sich mit einer reifen und voll ausgebildeten Stimme artikulieren, die sich gegen ein riesiges Orchester durchsetzt. Mit der Sopranistin Ingela Brimberg, die für Roth bereits die Senta im „Holländer“ sang, ist der Dirigent überzeugt, eine Interpretin gefunden zu haben, die die vielseitigen Facetten der Salome verkörpert: „Sie muss eigentlich alles können: Sie muss sensibel sein, dann wieder sehr arrogant und erotisch, aber auch charmant, verrückt und wild. Es gibt keine Stimmung, die in dieser Rolle nicht repräsentiert wird. Die Sängerin kann das alles zeigen. Strauss hat für die Stimme so wunderbar plastisch komponiert.“

Für diese Inszenierung der Salome wird die Bühne des Staatenhauses besonders aufgestellt. Roth: „Wir probieren eine neue Position des Orchesters aus, in der die Musiker in Richtung Bühne und nicht in die Richtung des Publikums spielen, und hoffen, sowohl den Reichtum des Orchesterklangs zu zeigen, als auch eine gute Balance mit den Solisten herstellen zu können. Wir versuchen, unser Bayreuth-Modell für Strauss zu finden.“

Für die szenische Lösung ist Ted Huffman zuständig. Für den amerikanischen Regisseur und den französischen Dirigenten ist die Kölner „Salome“ die erste gemeinsame Produktion. An dem Regisseur gefällt Roth vor allem, dass er die Musik respektiere. „Wir arbeiten sehr schön zusammen“, sagt er.

Roth, der die Verlängerung seines Vertrags noch nicht unterschrieben hat, wird auf jeden Fall noch die nächste Saison in Köln bleiben. Eine Fortsetzung mit Strauss wird es 2019/2020 aber noch nicht geben. „Aber danach – natürlich!“ Woran sich die Frage nach der Vertragsverlängerung anschließt. Wie sieht es damit aus? Roth: „Sehr gut!“

Premiere am Sonntag, 18 Uhr, im Kölner Staatenhaus. Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen