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Beethovenhalle: Filarmonica della Scala unter Daniel Harding beim Beethovenfest-Sonderkonzert

Beethovenhalle : Filarmonica della Scala unter Daniel Harding beim Beethovenfest-Sonderkonzert

So richtig in Festivallaune scheinen die Bonner noch nicht zu sein, zumindest blieben beim Sonderkonzert des Beethovenfests überraschend viele Plätze in der Beethovenhalle unbesetzt. Wer freilich am Samstagabend da war, der wollte beim Gastspiel der Filarmonica della Scala gar nicht mehr gehen.

Das verzückte Publikum erklatschte sich zwei lange Zugaben, bei denen die Philharmoniker aus Mailand unter der Leitung von Daniel Harding noch einmal zeigen konnten, dass sie in Sachen Oper fast unschlagbar sind: mit dem geradezu herzzerreißenden Intermezzo aus Puccinis "Manon Lescaut" und der "Wilhelm Tell"-Ouvertüre von Rossini, die nach Idylle und Gewitter in einer wilden, verwegenen Jagd endete.

Auch den sozusagen offiziellen Teil ihres Bonner Abends hatten die Scala-Musiker mit der Oper eröffnet, mit Verdi natürlich und seiner Ouvertüre zur "Macht des Schicksals". Schon nach ein paar Takten war klar, dass man sich auf ein Konzert unter Hochspannung freuen konnte, so wuchtig und bedrohlich ging die Filarmonica ans Werk, lieferte kein unverfängliches Melodien-Potpourri ab, sondern ein klar konturiertes kleines musikalisches Drama.

Eine solche Sicht auf Verdi war selbstverständlich nicht zuletzt dem Dirigenten zu verdanken. Daniel Harding ist ja längst nicht mehr das dirigierende Wunderkind, als das er einst gepriesen wurde, sondern ein höchst kluger Pult-Stratege, der musikalisch viel fordert und viel bekommt. Er setzt auf Temperament, scheut dabei Explosionen nicht und lässt vor allem den Musikern reichlich Freiraum. Das Ergebnis: Der Klang des Mailänder Orchesters ist brillant und zugleich voller Wärme.

Dvoraks 8. Sinfonie war ein schönes Beispiel für diese unbändige Musizierlust, vom gesanglichen, beseelten Beginn an bis zum wirbelnden Kehraus. Ob beim Adagio, das vom Melancholischen ins Hymnische gesteigert wurde, oder beim zärtlich beschwingten Walzer des dritten Satzes: Die poetischen Stimmungsbilder dieser Dvorak-Pastorale gerieten durchweg bezwingend.

"Die Melodien fliegen mir nur so zu", hatte Dvorak bei der Komposition seiner 8. Sinfonie notiert. Ähnliches dürfte für die "Vier letzten Lieder" von Richard Strauss gelten, einen berührenden Abschiedsgesang, der noch einmal die Schönheit des Melodischen und die große Instrumentierungskunst des Komponisten bezeugt. Christine Schäfer war für diese Lieder eine interessante Besetzung; sie ist mit ihrer Kühle und Klarheit eher der Typ der Anti-Diva. Die Sopranistin gestaltete weite Bögen, sang speziell in den hohen Lagen mit atemberaubender Leichtigkeit, fast schwerelos - eine Strauss-Interpretation, die dankenswerterweise auf jeden Zuckerguss verzichtete.

Daniel Harding nahm dabei das Orchester keineswegs zurück, sondern ließ den Klang üppig aufblühen - es entstanden sinfonische Stücke mit Stimme, die gleichsam jenes "goldene Licht" ausstrahlten, von dem in einem der vertonten Hesse-Gedichte die Rede ist.