Fast wie eine Laute

Stefan Horz mit Bachs Englischen Suiten in der Bonner Kreuzkirchen-Krypta

Bonn. Die Partiten und die französischen Suiten hatte er bereits in den vergangenen Jahren aufgeführt - jetzt schloss Stefan Horz, Organist an der Kreuzkirche, sein ehrgeiziges Projekt ab, das die großen, sechsteiligen Clavier-Zyklen von Johann Sebastian Bach vorstellte.

In der Krypta der Kreuzkirche spielte Horz auf dem Cembalo die sechs englischen Suiten - Nettospielzeit rund zweieinhalb Stunden. Den Kraft- und Konzentrationsakt bewältigte er mit eindrucksvoller gestalterischer und technischer Souveränität.

Im Vergleich mit den französischen Suiten wirken die englischen klangvoller, fülliger und akkordreicher. Insbesondere die sich zu regelrechten Konzerten auswachsenden Präludien gaben Horz Gelegenheit, sein virtuoses Können zu zeigen, verbunden mit der Fähigkeit, hinter allem fantasievollem Linienspiel auch die harmonischen Entwicklungen plastisch hervortreten zu lassen.

Fabelhaft, wie er die Sogkraft etwa des a-Moll-Präludiums oder des kraftgeladenen g-Moll-Präludiums entwickelte, den tänzerischen Gestus der Gavotten und Bourrees unterstrich, oder den sanft strömenden Klangfluss der Allemanden durchsichtig hielt.

Betont eigenwilliges, gar exaltiertes Spiel (was etwa in der e-Moll-Gigue denkbar wäre), hatte Stefan Horz nicht im Auge. Sein Spiel war insgesamt von großer, innerer Ruhe erfüllt, strebte die klare Form an.

Dass er zugleich die Kunst beherrscht, das Tempo geschmeidig zu variieren, hörte man in den wunderbar frei gespielten Sarabanden, die stets eine schwierige Gratwanderung zwischen mäandernder Fantastik und gemessenem Tanzcharakter erfordern, oder auch in der fast schon tragische Töne anschlagenden Einleitung des d-Moll-Präludiums. Apart geriet die hübsche Musette, die dank einchörigen Registers fast wie auf einer Laute erklang.