Faber in Köln im Palladium: Mit "I fucking love my life" auf Tournee

Neues Album „I fucking love my life“ : Schweizer Sänger Faber gastiert im Palladium in Köln

Sänger Faber alias Julian Pollina gastiert im März 2020 im Palladium in Köln. Der Schweizer mag es gern widersprüchlich. So heißt sein aktuelles Album „I fucking love my life“ - obwohl oder weil die vergangenen Jahre für ihn nicht immer einfach für ihn waren?

Julian Pollina alias Faber mag es gern widersprüchlich. Und so macht schon der Titel seines zweiten Albums stutzig: „I Fucking Love My Life“. Musikalisch üppig und gediegen lässt Faber in seinen Texten immer wieder durchschimmern, dass die vergangenen Jahre ganz schön an ihm gezerrt haben.„Faber ist ein Teil von mir“, sagt Julian Pollina, „aber auch nur ein Teil.“

Der andere Teil, also gewissermaßen der private Julian-Teil, sei eher sensibel und bedacht. „Ich bin eigentlich sehr zurückhaltend und weit davon entfernt, eine Rampensau zu sein. Ich probiere immer, anständig mit Menschen, der Umwelt und mir selber umzugehen.“ Das gelinge nicht immer, meistens jedoch schon.

Faber hingegen, der ist krasser, extremer und polarisierender. Eben eine Kunstfigur, und zwar eine richtig gute. Schon auf seinem vor zwei Jahren veröffentlichten Debütalbum „Sei ein Faber im Wind“ hatte der 26-Jährige aus Zürich, dessen Vater der bekannte Liedermacher Pippo Pollina ist, keine Scheu vor kontroversen, oder zumindest unverblümten Aussagen. Auch auf „I Fucking Love My Life“ eckt Faber an. Und das geht bereits mit dem Albumtitel los. Soll dieses „fucking“ die Aussage nun verstärken oder relativieren? „Es soll die Behauptung so sehr betonen, dass man misstrauisch wird, ob das überhaupt ernst gemeint sein kann. Wenn jemand superviel lacht, dann ist der in den meisten Fällen auch nicht besonders glücklich.“

Ihm selbst ging es in den vergangenen zwei Jahren jedenfalls nicht so richtig gut, da half auch der Erfolg nichts. „Es gibt immer was zu saufen, aber selten was zu feiern“, singt Faber in seiner unnachahmlich tiefrauen Stimme im Song „Jung und dumm“. Ein anderes Lied heißt „Nie wieder“ und beschreibt die Reue der Kunstfigur (vielleicht auch des Künstlers) nach dem Konsum von Kokain. Und im allerersten Satz des Albums setzt der leicht unglückliche Troubadour quasi schon den Ton, indem er verrät, er habe „alte Freunde gegen falsche ausgetauscht.“

In diesem Punkt sind Künstler und Rolle deckungsgleich. „Ich habe die Bewunderung der Leute für Liebe gehalten“, sagt Faber. „Das kann sehr gefährlich werden. Denn deine Freunde sind nun einmal keine Fans. Die applaudieren dir nicht, wenn du nach Hause kommst. Denen ist deine Musik vielleicht sogar egal.“

Die Sache mit den Freunden hat sich wieder eingerenkt, versichert Faber, gleichwohl habe ihn die heftige Aufmerksamkeit innerhalb kurzer Zeit durcheinandergebracht, auch künstlerisch. Konkret gesagt sei ihm das Songschreiben sehr leichtgefallen, das klangliche Einkleiden der neuen Lieder aber überhaupt nicht. „Ich hatte überhaupt keine Vision, wie ich die Lieder umsetzen sollte.“ Am Ende ist er dem üppigen, beinahe barocken und reichhaltig mit Posaune, Saxophon, Piano und mehr instrumentierten Ansatz des Debüts weitgehend treu geblieben.

Rein musikalisch ist das Album vorbehaltlos schön und auch mal sexy-balladesk wie in „Komm her“. Die Texte aber, sie sind so zynisch, düster und widersprüchlich wie dieser junge Mann selbst. „Ich steh‘ für gar nichts“, lamentiert er in „Top“, während er in „Generation YouPorn“ nicht bloß seine eigene, sondern gleich die Zerrissenheit weiter Teile seiner Alterskohorte aufspießt, die kaum Überzeugungen habe, aber gleich mal die ganze Welt retten wolle.

Sehr klar und mit Haltung spricht sich Faber indes in „Das Boot ist voll“ gegen Rechtspopulismus aus. „In der Schweiz haben die Rechten nicht diesen gewalttätigen Anstrich wie in Deutschland, aber die Meinungen sind nicht groß anders. Ich fühle mich hier manchmal sehr fremd.“ Seine Zürcher Heimat verlassen möchte Faber jedoch auf gar keinen Fall, daran ändern auch die astronomischen Mieten nichts. „Die Stadt ist einfach wunderschön, innerhalb von wenigen Minuten bist du an einem Gewässer, und überall kannst du baden.“

Info: Faber live, Köln, Palladium, 5. März 2020, 20 Uhr. Das Konzert ist bereits ausverkauft

Mehr von GA BONN