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Großes Oratorienkonzert: „Elias“ in der Kreuzkirche

Großes Oratorienkonzert : „Elias“ in der Kreuzkirche

Die Früchte einer langen Tradition: Karin Freist-Wissing leitet eine stilsichere und packende Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys Chorwerk.

Wie der nachgereichte Vorspann eines Films setzt die Ouvertüre erst nach der rezitativischen Prophezeiung ein: Den Israeliten wird eine lange, unfruchtbare Dürrezeit vorausgesagt. So vergleichsweise „modern“ lässt Felix Mendelssohn Bartholdy sein 1846 zum Chorfest im Birmingham aus der Taufe gehobenes Oratorium „Elias“ auf eine alttestamentarische Textvorlage beginnen. Der Prophet Elias sucht sein Volk letztlich vergeblich vom Baalskult zu Jahwe zu bekehren. Überhaupt ist die Form dieses op. 70 außergewöhnlich, da sie, auf einen Erzähler verzichtend, mit der Oratorien-Tradition bricht und sich statt dessen musikdramatischer Züge samt Leitmotiven bedient.

Dass die Mendelssohn-Pflege an der Bonner Kreuzkirche eine lange Tradition hat, die immer wieder exzellente Früchte trägt, war bei dieser großartigen Aufführung jenes Oratoriums nun erneut zu erleben. Karin Freist-Wissing hatte die Kantorei und das von Musikern des Beethoven Orchesters unterstützte, groß besetzte Sinfonieorchester der Kreuzkirche glänzend vorbereitet und überdies ein Solistenensemble engagieren können, das keine Wünsche offen ließ. Insbesondere der lyrische Bassbariton Thomas Laske, der als Elias das erste Wort in diesem Werk hat, verfügt über eine stimmliche Ausdruckspräsenz, die in ihrer dynamischen Weite direkt berührt und unter die Haut geht.

Die Kantorei hielt die Spannung bis zum Schluss

Der steht die Sopranistin Berit Solset in nichts nach. Kaum minder intensiv gestalten Nicole Pieper (Alt) und Youn-Seong Shim (Tenor), nicht zu vergessen Dorothee Pahnke (Sopran).

Dem stilsicher agierenden Chor werden gleich mehrere Rollen abverlangt, darunter das zwischen Baal und Jahwe affektenreich schwankende Volk der Israeliten. Blitzsauber und in den Stimmen pünktlich intonierend hielt die Kantorei bis zum Schlusschor die jeweilige Spannung.

Leider war die Textverständlichkeit nicht immer vollkommen gewährleistet, was an einem bei den Chorteilen vielleicht etwas (zu) laut gehaltenen Orchester liegen mochte, das im Übrigen mit enormer Verve bei der Sache war. Der Publikumsapplaus war stürmisch und lang anhaltend.