Interview mit Schumannfest-Chef Markus Schuck: „Eine wahre Entdeckung“

Interview mit Schumannfest-Chef Markus Schuck : „Eine wahre Entdeckung“

Markus Schuck über das zu Ende gegangene Schumannfest. Zur 20. Ausgabe fanden etwa 2500 Zuhörer den Weg zu Konzerten und Veranstaltungen unter anderem ins Schumannhaus, in den Ballsaal, ins Rex-Kino und in die Kreuzbergkirche.

Die Jubiläumsausgabe des Schumannfests, die Nr. 20, liegt hinter Ihnen. Das Motto lautete „Freude“. Was hat Sie in den vergangenen Tagen besonders erfreut?

Markus Schuck: Zum einen: Das Thema Freude hat gerade bei uns als Schumannfestival eine besondere Wirkung entfaltet und als Motto bis zum letzten Konzert getragen. Dabei war es faszinierend zu sehen und zu hören, mit welchem Enthusiasmus und mit welcher Perfektion die Künstler unser Festivalpublikum begeisterten. Zum anderen: Mich hat überrascht, wer mittlerweile alles dieses Festival besucht. Wir hatten Besucher aus Colorado, aus entfernteren Regionen Deutschlands bis zur Schumannstadt Leipzig, die extra zu unseren Konzerten angereist sind. Das nehmen wir ebenso erfreut zur Kenntnis, wie das Interesse am Festival, das uns von den UN-Einrichtungen, der Deutschen Welle, der Deutschen Post DHL Group und dem Deutschen Musikrat in Bonn entgegengebracht wird. Das ist schon etwas Besonderes.

Was macht diese Attraktivität aus?

Schuck: Wir merken, dass der Veranstaltungsmix sehr gut ankommt. In jedem Konzert haben wir ein anderes Publikum, das sich mit zunehmender Festivaldauer mischt. Unser Konzertangebot ist bunt und lädt zu neuen Hörerfahrungen ein, so beispielsweise das wirklich herausragende Konzert der drei Basstubisten. Auch wir lernen bei diesen innovativen Konzertangeboten dazu: Das ursprünglich im Schumannhaus geplante Konzert konnte dort aus akustischen Gründen nicht stattfinden. Glücklicherweise konnten wir in die Harmonie ausweichen, mit großem Erfolg: Bei dem Konzert waren alle Altersgruppen vertreten und zeigten sich begeistert von anderthalb Stunden Musik mit Basstuba.

Was gab es sonst noch für besondere musikalische Erlebnisse?

Schuck: Eine wahre Entdeckung war das Busch-Trio aus England. Da merkte man, welche Bedeutung das Schumannhaus für Künstler aus dem europäischen Bereich hat: Sie zeigten sich beeindruckt von dem Genius loci und boten eine ergreifend intensive Interpretationen von Schumanns Klaviertrio op. 63. Und als Zugabe gab es dann noch zwei Mal Mendelssohn als Verneigung vor Schumann. Dieses Trio werden wir bestimmt beim Schumannfest wiedersehen und wiederhören. Wunderbare junge Stimmen bot der Eröffnungsabend mit einem deutsch-französischem Liedprogramm. Liederabende gehen offenbar doch, wenn sie dramaturgisch so klug und fantasievoll gestaltet werden, wie Pauliina Tukiainen es für uns immer wieder tut. Sie hat durch ihre Arbeit an den Musikhochschulen, demnächst wechselt sie als Professorin für Liedbegleitung ans Salzburger Mozarteum, einen guten Blick auf den Nachwuchs.

Der Nachwuchs spielt ja eine zentrale Rolle beim Schumannfest...

Schuck: In der Tat, das sieht man besonders schön zum Beispiel bei der Pianistin Luisa Imorde, deren Entwicklung bei unserem Festival über die Jahre hinweg verfolgt werden konnte. Wir sind beeindruckt, wie es ihr heute zum Beispiel gelingt, mit Werken eines zeitgenössischen Komponisten wie Jörg Widmann Begeisterung beim Publikum zu wecken.

Wie schaffen Sie es, solch ein vielfältiges Programm ausschließlich mit ehrenamtlicher Arbeit auf die Beine zu stellen?

Schuck: Unser Plus ist, ein professionelles Netzwerk zu haben. Das ist der wahre Wert unsere Festivals. Wir sind mittlerweile so stark im deutschen, europäischen und sogar weltweiten Pianistennetzwerk präsent, dass wir per Telefon das Festival organisieren könnten. Das Gleiche gilt für den Gesang und der Kammermusik. Hilfreich ist auch die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Musikrat und seinen Projekten sowie mit dem Europäischen Chorverband Europa Cantat. Natürlich bietet Bonn selbst herausragende musikalische Talente, die wir im Festival zeigen, so zum Beispiel die Jungen Instrumentalisten in den Orchestern des EMA-Gymnasiums in diesem Jahr. Bewusst soll das Festival ein professionelles Podium für den Bonner Nachwuchs bieten.

Stößt da ein ehrenamtliches Organisationsteam nicht irgendwann an seine Grenzen?

Schuck: Auf jeden Fall. Das Festival ist ständig gewachsen, nicht nur in der Außenwahrnehmung, auch in der Struktur. Besonders schwierig wird es bei der Betreuung größerer Ensembles oder Chöre. Das ist mit ehrenamtlichen Strukturen kaum mehr zu leisten. Wir benötigen daher dringend einen Büroraum und eine Personalkraft, die unser ehrenamtliches Engagement entlastet. Ohne diese Weiterentwicklung wird das Festival auf Dauer keinen Bestand haben. Dankbar sind wir für die Kooperationen mit Europa Cantat, Jazz in Concert oder dem Bonner Lions Club Clara und Robert Schumann, der uns jetzt beim Neustart des Robert-Schumann-Gesangswettbewerbs unterstützen wird, die für Entlastungen an einigen Stellen sorgen. Doch mit Blick auf den 200. Geburtstag von Clara Schumann 2019 und zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens 2020 sollte das Schumann-Engagement in dieser Stadt eine weitere Unterstützung erhalten. 20 Jahre Schumannfest haben gezeigt, welche Außenwirkung mit diesem Festival zu erreichen ist, und dies – mit Blick auf die Beethovenförderung – mit einem geringen jährlichen Zuschuss in Höhe von 35 000 Euro.

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