Götz Alsmann kommt in die Beethovenhalle: Eine volle Packung Broadway

Götz Alsmann kommt in die Beethovenhalle : Eine volle Packung Broadway

Götz Alsmann, der Mann mit der Tolle, kommt am Sonntag, 22. Februar, mit seiner Band in die Bonner Beethovenhalle. Mit dem Musikwissenschaftler und Entertainer sprach Ebba Hagenberg-Miliu.

Sie kommen mit deutschsprachigen Broadway-Songs in die Beethovenhalle?
Götz Alsmann: Richtig. Das ist das Programm, das wir im September begonnen haben und bis Ende 2016 spielen.

Sie als Musikwissenschaftler haben die vielen früheren Versionen aber auch alle im Hinterkopf?
Alsmann: Klar, die wurden aber alle nicht deutsch gesungen. Da bin ich im Vorteil. Außerdem denke ich, auch jemand, der eine Beethoven-Sonate spielt, weiß, dass Rudolf Serkin das auch schon getan hat...

Denn Sie spielen den Götz-Alsmann-Sound. Das sind Ihre Lieder...
Alsmann: Ja, ich versuche, sie zu meinen zu machen.

Sie haben das Album in New York aufgenommen. Wie haben denn die Amerikaner reagiert?
Alsmann: Ich habe eine ähnliche Erfahrung vorher schon in Paris gemacht. Da haben wir ein Album mit französischen Chansons auf Deutsch aufgenommen. Die die Leute aus dem Studiobetrieb haben sich eher gefragt, warum das nicht öfter passiert. Die Amerikaner adaptieren ja jedes nur mögliche Lied des Weltkulturerbes und setzen ihren Text drauf. So halten dann eine Menge Leute "Mack The Knife" für älter als Brechts "Mackie Messer".

Ein kurzer Blick zurück: Wie kommt man als Doktor der Philosophie auf die Bühne?
Alsmann: Musikmachen war immer meine Hauptberuf. Es gibt schon 40 Jahre Alsmann-Platten. Ich mache seit Jahrzehnten 100 Konzerte im Jahr.

Eine echte Rampensau also?
Alsmann: Ja sicher.

Seit 2012 sind Sie aber auch wieder an Ihre Universität Münster zurückgekehrt?
Alsmann: Als Honorarprofessor für die Geschichte der Popularmusik, ja.

Sie haben in den Vorlesungen auch schon gesungen?
Alsmann: Nur einmal bei der Antrittsvorlesung. Ich spiele schon mal und demonstriere Dinge, die in einer Uni vielleicht ungewöhnlich sind. Wir haben im letzten Semester eine Masterclass Chanson gemacht. Eine Honorarprofessur sind ja ein Ehrenamt. Man versucht also, ihm in jedem Semester eine gewisse Zeit zu widmen. Und Vorlesungen sind öffentliche Veranstaltungen. Da sitzen also nicht nur Studenten.

Kommen wir noch mal zum Musikmarkt. Sie sagen: Man kann auch deutsch singen?
Alsmann: Man sollte es sogar als jemand, der in dieser Sprache lebt. Es ist ja so: Niemand ist als Nichtraucher so radikal wie die Ex-Raucher. Ich habe auch ewige Zeiten englisch gesungen. Aber man muss sich dann doch fragen, ob es für einen selbst nicht befriedigender ist, in einer Sprache zu singen, in der man auch träumt und denkt und Witze erzählt. Ich brauchte Zeit, bis ich das begriffen habe. Heute kann ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen.

Zumal Texte auf englisch oft auch nicht besser werden?
Alsmann: Was für eine Sülze wird oft von Deutschen in selbstverfassten englischen Texten gesungen. Da kommt meist nicht mehr als Pennälerlyrik heraus. Vielleicht drückt sich ja mancher davor, verstanden zu werden?

Hat der deutsche Schlager eine Zukunft?
Alsmann: Klar.

Und der heißt heute Helene Fischer?
Alsmann: Statistisch gesehen schon. Schlager haben sich in jedem Jahrzehnt die laufenden musikalischen Richtungen unter den Nagel gerissen. Diejenigen, die sich darüber das Maul zerreißen, sollten wissen: Die Plattenfirma, die Helene Fischer engagiert hat, bezahlt überhaupt nur mit diesen Umsätzen auch ihre Klassik- und Jazzabteilungen. Denn die dürften lange nicht so viel einbringen.

Karten für 35,60, 40 und 44,40 Euro für "Broadway" am 22. Februar, 20 Uhr, in der Beethovenhalle gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen

Zur Person

Götz Alsmann, geboren 1957 in Münster/Westfalen, ist Doktor der Musikwissenschaft, Sänger, Musiker, Moderator, Schauspieler und Entertainer. Die Musik-Karriere begann 1972 mit Gründung der Heupferd Jug Band. Die Götz Alsmann Band gründete der inzwischen in Radio und TV Prominente 1989 und ist mit ihr auch aktuell mit seinem Programm "Broadway" unterwegs. 1996 startet er mit Christine Westermann die mit dem Grimme-Preis gekrönte WDR-Sendung "Zimmer Frei".

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