Kulturpolitischer Aschermittwoch in Bonn: Eine Aufgabenliste für den Bonner OB

Kulturpolitischer Aschermittwoch in Bonn : Eine Aufgabenliste für den Bonner OB

Der kulturpolitische Aschermittwoch in Bonn hat Tradition. Die Feuilleton-Redaktion hat eine Liste mit zentralen Inhalten zusammengestellt.

Auf Einladung des Kulturkreises Bonn, einem Zusammenschluss von 61 Kulturfördervereinen mit insgesamt mehr als 25 000 Mitgliedern, spricht am Aschermittwoch immer ein hochkarätiger Gast über ein Kulturthema seiner Wahl. Am Abend nimmt sich der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan im Kunstmuseum das Thema „Perspektiven der Bonner Kulturpolitik“ vor. Dabei wird er natürlich das Jahr 2020 im Blick haben, in dem Bonn und die Welt Beethovens 250. Geburtstag feiern. Daneben gibt es andere wichtige Kulturthemen – strukturelle und personelle. Die Feuilleton-Redaktion hat eine Liste mit zentralen Inhalten zusammengestellt.

Ist Bonn fit für das Jubiläumsjahr 2020?

Nach derzeitigem Stand noch lange nicht. In der Bonner Kulturszene wird zwar die Entscheidung von OB Ashok Sridharan, das Jubiläumsjahr zur Chefsache zu machen, allgemein begrüßt, doch an zentralen Stellen sind die Weichen bislang noch nicht gestellt. Für das Jubiläumsjahr hat Kulturdezernent Martin Schumacher einen groben Fahrplan vorgelegt, dessen Koordinaten nun möglichst rasch konkretisiert und ergänzt werden müssen. Die Benennung eines Bundesbeauftragten, die Einrichtung eines städtischen Projektbeirates und einer Stabsstelle beim Oberbürgermeister sind nur erste Schritte. Bislang sind diese Einrichtungen vor allem eine Sammlerbörse für Ideen. Eine ganz entscheidende Rolle muss im Jubiläumsjahr das Beethoven Orchester übernehmen.

Nach der gescheiterten Suche nach einem Nachfolger für Stefan Blunier im vergangenen Jahr steht bis heute noch nicht fest, wer dann neuer Generalmusikdirektor sein wird. Sollte in den nächsten Tagen ein Bewerber gekürt werden, was dem Vernehmen nach der Fall sein wird, müsste er lange vor Amtsbeginn mit Befugnissen ausgestattet werden, um die Jubiläumssaison auch vertraglich festzuzurren. Auch die Rolle des Beethovenfestes muss präzise definiert sein. Und wie lässt sich die Telekom Beethoven Competition einbinden, die für Dezember 2019 terminiert ist, wenn das Beethovenjahr in Bonn offiziell startet?

Wie sieht es mit der Eigenständigkeit des Orchesters aus?

Bestrebungen, dem Beethoven Orchester unter dem Dach des Bonner Theaters eine neue organisatorische Heimat zu geben, haben im vergangenen Jahr für Diskussionsstoff in der Kulturszene gesorgt. OB Shridharan sagte in der Kulturausschusssitzung am 21. Dezember 2015: „Eine Vorlage, die die Eigenständigkeit des Beethoven Orchesters einschränkt, wird es von der Verwaltungsseite niemals geben.“ Ist die Neuorganisation damit endgültig vom Tisch?

Welche Spielstätten stehen 2020 zur Verfügung? Und in welchem Zustand?

Wenn alles gut läuft, können die großen Konzerte in der bis dahin sanierten Beethovenhalle stattfinden. Dank einer Spende der Sparkasse Köln-Bonn von fünf Millionen Euro wird darüber hinaus das Studio im Forum Süd der Beethovenhalle zum Probenraum für das Beethoven Orchester und zum Kammermusiksaal mit 400 Plätzen umgebaut. Im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses finden nur 199 Zuhörer Platz. Insofern wird dies eine nützliche Ergänzung werden. Inwieweit der WCCB-Saal integriert wird, hängt nicht zuletzt auch von der im Herbst beginnenden Erprobungsphase ab, wenn die Beethovenhalle wegen der anstehenden 50 Millionen Euro teuren Sanierungsmaßnahme geschlossen wird.

Braucht Beethoven 2020 eine eigene Intendanz?

Wir meinen: ja. Auch die „Initiative Kultur in Bonn“ fordert die Einsetzung eines Intendanten, der das kulturelle und musikalische Programm als „renommierter, inspirierender Gestalter eines international konkurrenzfähigen und intellektuell profilierten Festes“ steuert. Die inhaltliche Strukturierung und komplexe Koordination eines Sparten übergreifenden, hochkarätigen Festival-Jahres sollte in den Händen einer kompetenten, erfahrenen und exzellent und international vernetzten Intendanz liegen, die eigens berufen werden muss. Mit den Bordmitteln einer Bonner Stabsstelle wird das nicht zu machen sein. Für eine Intendanz muss die Stadt Bonn Geld in die Hand nehmen. In der Diskussion sind drei Millionen Euro. Eine zentrale Forderung der „Bürger für Beethoven“ ist hingegen die Einrichtung einer Projektgesellschaft, „die die verschiedenen staatlichen Ebenen zusammenführt und Kompetenzen der Bürgergesellschaft verknüpft“.

Wie steht es um die Spielstätten des Bonner Theaters?

Da waren es nur noch zwei: Das Schauspiel verliert die Halle Beuel als Spielstätte, dem Sprechtheater bleiben „nur“ noch die Kammerspiele Bad Godesberg und die Werkstatt. In die Halle Beuel zieht nach Sommerpause und Umbau das Pantheon ein. Wenn alles gutgeht, nimmt das Pantheon-Publikum den Umzug an, und der Beueler Standort wird, zum Beispiel durch eine Aufwertung des gastronomischen Angebots, zu einem Ort, den man nach der Vorstellung nicht gleich wieder verlassen will. Viele Jahre lang wurde über eine Aufgabe der sanierungsbedürftigen Kammerspiele in Bad Godesberg diskutiert.

Sie existieren jedoch weiter als Hauptspielstätte des Schauspiels. Problem: Der Standort übt wenig Anziehungskraft aufs jüngere, studentische Publikum aus. Ein Theater im Herzen Bonns hätte es leichter, Zuschauer zu gewinnen. Das Opernhaus ist zwar genau dort, im Herzen der Stadt, beheimatet, allerdings ebenfalls in einem nicht sehr guten baulichen Zustand. Laut Theaterleitung liegt der Sanierungsbedarf bei 75 Millionen Euro. Der Neubau hatte 1965 23 Millionen Mark gekostet. Die Sanierung der Bad Godesberger Kammerspiele soll zwölf Millionen Euro kosten.

Wie sieht die Lage der freien Szene aus?

Sie bereichert das Kulturleben einer Stadt. In Bonn sieht das immer noch gut aus, doch als reich würden sich die wenigsten Protagonisten der freien Szene charakterisieren. Gibt es Strategien, um ihr Überleben zu sichern?

Welche wichtigen Personalien stehen an?

Oberste Priorität hat die Berufung eines neuen Generalmusikdirektors als Nachfolger von Stefan Blunier. Eine weitere Besetzungspanne wie im Sommer vergangenen Jahres wird es diesmal dem Vernehmen nach wohl nicht geben. In zwei Jahren läuft der Vertrag von Beethovenfest-Chefin Nike Wagner aus, die dann 73 Jahre alt wird. Will sie in die Verlängerung, will Bonn das? Ist ein Wechsel auf dieser enorm wichtigen Position zwei Jahre vor 2020 überhaupt sinnvoll? Schließlich konzipiert Nike Wagner die kommenden Beethovenfeste thematisch unter anderem mit Kompositionsaufträgen bereits zielgerichtet auf das Jubiläumsjahr hin. In jedem Fall muss diese Frage schleunigst geklärt werden, damit die Stadt im Fall eines Vertragsendes rechtzeitig reagieren kann.

Ähnlicher Fall: Will die Stadt Bonn mit Generalintendant Bernhard Helmich (Vertragsende ebenfalls 2018) weitermachen, will er? Helmich ist ein Mann mit einem ausgeprägten Gestaltungswillen, machtbewusst und ohne Scheu vor Konfrontationen. Ergo: Er hat sich nicht nur Freunde in Bonn gemacht. Teile der freien Szene sehen ihn kritisch, Mitglieder des Beethoven Orchesters sowieso. Auch hinter der Personalie des Kulturdezernenten Martin Schumacher, seit 2010 im Amt und darin kaum nachhaltig spürbar (2018 ist Schluss), steht ein Fragezeichen.

Alles richtig gemacht in der Museumspolitik?

Nein. Der nahende Verlust des Deutschen Museums und die prekäre Lage des Frauenmuseums werfen dunkle Schatten auf die Bonner Museumspolitik. Wurde wirklich alles ausgereizt, diese beliebten Institutionen zu halten oder zu retten?

Lässt sich ein internationales Theaterfestival in Bonn wiederbeleben?

Die Kulturstadt Bonn hat dem früheren Generalintendanten Manfred Beilharz viel zu verdanken, unter anderem das europäische Theaterfestival „Bonner Biennale“, das er 1992 mit dem Dramatiker Tankred Dorst auflegte. Beilharz' Nachfolger Klaus Weise führte die Idee fort und lud Künstler aus New York (2004), Indien (2006) und der Türkei (2008) nach Bonn ein. Danach war Schluss mit international, denn das nötige Geld fehlte, um das Unternehmen am Leben zu erhalten. Es ist bekannt, dass Bernhard Helmichs Schauspielchefin Nicola Bramkamp Feuer und Flamme für ein internationales Theaterfestival in Bonn ist – wenn es denn organisierbar und finanzierbar wäre. Böte sich hier ein Zusammenspiel von öffentlichen Förderern und privaten Unterstützern an?

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