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Ausstellung in Bonn: Eine andere Welt

Ausstellung in Bonn : Eine andere Welt

Die Collagen von Matthew Northridge in der Bonner Galerie Gisela Clement zeigen „Die Welt, in der wir leben“ aus einer besonderen Perspektive. Der in New York lebende Künstler zeigt dafür verschiedene Perspektiven.

Nicht mehr und nicht weniger als „Die Welt, in der wir leben“ will er auf seine besondere Weise abbilden: Seit 2006 verfolgt der in New York lebende Künstler Matthew Northridge dieses Ziel auf verschiedenen Wegen. Er verwendet in seinen drei- und zweidimensionalen Arbeiten nationale Symbole, Flaggen und Landkarten, ferner Naturfotos und Fundstücke aus der weiten Welt des Grafik-Designs. Ausschlaggebend für die Wahl des jeweiligen Elements ist dessen Symbolkraft. Northridge sucht das Typische. Das kann der wiedererkennbare Ausschnitt einer Landschaft sein oder auch ein grafisches Element, das in Gestalt, Ausdruck und Farbigkeit typisch für eine gewisse Zeit und einen Kulturkreis ist.

Eine Vision der Welt

In der Bonner Galerie Gisela Clement zeigt er Collagen aus der Serie „The World We Live In“: Genau so war eine Serie im Magazin „Life“ betitelt, die in den 1950er Jahren recht blauäufgig dokumentierte, was in der Welt zu sehen war.

„Ganz in der Mode des amerikanischen Optimismus der 1950er Jahre“, wie der Künstler meint, „’The World We Live In’ hat nie existiert. Es war ein Konzept, das als konkrete Realität dargestellt wurde, aber tatsächlich war es zum Teil wahr, zum Teil das, was man sich wünschte, wahr zu sein.“ So wie Northridge mit dieser Vision umgeht, indem er dem Naturdetail etwas ganz rätselhaftes Menschengeschaffenes gegenüberstellt, kommentiert und kritisiert er subtil die „Life“-Serie.

Und die Maßstäbe verschoben sich, je weiter sich Northridges Projekt entwicklelte. Als er vor sechs Jahren schon einmal in der Galerie an der Lotharstraße ausstellte, damals im Rahmen einer Gruppenausstellung zur Kunst der Collage, sah man noch mehr von den jeweiligen Landschaften. Auf das jeweilige Magazinfoto hatte der Künstler ein ab-straktes grafisches Element geklebt. Auch dies waren übrigens Fundstücke: stark farbige geometrische Figuren, Logos aus einer Werbewelt der 1950er/1960er Jahre. Fotografierter, realer Natur-Ort trifft auf die Ideen-Welt anonymer Werbegrafiker. Spannend.

In den Blättern, die Northridge 2014 in Bonn zeigte, waren die Bildelemente noch ebenbürtig. Inzwischen ist die Grafik so dominant geworden, dass sie den fotografierten Naturraum fast völlig beherrscht. Es ist nicht mehr viel übrig geblieben, um die Bilder zu verorten. Der Naturraum wurde verdrängt. Zu sehen ist fast nur noch eine Reihe bunter geometrischer Muster und angedeuteter Symbole. In der Galerie Clement hängen die durchnummerierten, nur 25,5 mal 20,5 Zentimeter großen Collagen der Jahre 2016 bis 2020 wie ein eindrucksvoller Fries im Raum.

Northridge wurde im Jahr 1974 in Manchester im US-Staat New Hampshire geboren. Er hat bereits wiederholt in Europa ausgestellt.

Galerie Gisela Clement, Lotharstraße 104; bis 30. Mai. Aufgrund der Beschränkungen durch die Corona-Krise ist der Besuch der Ausstellung nur nach telefonischer Anmeldung unter (0228) 97143922 möglich.