Blumentopf im Kölner Palladium: Ein rauschender Abschied

Blumentopf im Kölner Palladium : Ein rauschender Abschied

Die Rapper von Blumentopf lassen es drei Stunden lang im Kölner Palladium krachen. Regelrecht hymnisch wird es kurz vor Schluss.

So weit wie die Fantastischen Vier, bis in die Lanxess-Arena, haben es Master P (Cajus Heinzmann), Holunder (Bernhard Wunderlich), Kung Schu (Florian Schuster), Specht (Roger Manglus) und Sepalot (Sebastian Weiss) nie gebracht. Dafür sind die vier Rapper und ihr DJ aber in 23 Jahren sagenhafte 38 Mal in Köln aufgetreten. Zuletzt im Palladium. Dort lassen es Blumentopf drei Stunden lang krachen. Es ist eine rauschende Abschiedsparty.

Daran, dass die Hip-Hop-Pioniere künftig getrennte Wege gehen und damit ein Stück der deutschen Rap-Geschichte zu Grabe tragen, lässt der Titel ihrer Tour keinen Zweifel: R.I.P. Das steht für „Requiescat in pace“, ruhe in Frieden. Still und leise oder gar betroffen geht es dabei allerdings nicht zu. Sondern wild und laut. Die einstigen Schüler-Heroen rappen, was das Zeug hält, vor einem Publikum, das in der ausverkauften Halle vor Begeisterung förmlich ausrastet. Bier und Schweiß fließen in Strömen.

Mit sieben Studioalben können die Freisinger-Freestyler auf einen beachtlichen Fundus zurückgreifen. Und es sich leisten, Hit auf Hit rauszuhauen. Von „6 Meter 90“ über „Horst“ bis hin zu „Rosi“ ist alles dabei. Heimatverbundenheit demonstriert das agile Quintett bei „Fenster zum Berg“, wozu eine komplette bayerische Blaskapelle aufmarschiert, in Krachledernen und mit Gamsbarthüten. Zwischen „SoLaLa“, „Mein Block“ oder „Nerds“ gönnen Master P, Holunder, Kung Schu, Specht und Sepalot sich und ihren Fans kaum eine Pause. Und wenn, dann werden Erinnerungen wach: an den ersten Song, den ersten Plattenvertrag und all die vielen Male, die Blumentopf beim Summerjam am Fühlinger See dabei war.

Dass man nicht alle Ansagen so richtig gut versteht und auch die mit viel Ironie gespickten Texte der Bayern-Rapper („Kein Plan, ob du dich erinnerst, doch vergangene Nacht hat Dich 'n guter Freund mit mir bekannt gemacht. Und schon beim Begrüßungskuss hatte ich nicht übel Lust dich zu drücken, bis du deine Bluse noch mal bügeln musst“) teilweise im Soundgewitter untergehen, trübt den Enthusiasmus kein bisschen. Dafür kennen die Fans die Texte „ihrer“ Band viel zu gut.

Regelrecht hymnisch wird es kurz vor Schluss. „Der Topf ist im Haus und hört nicht auf. Wir sind auf Party-Safari!“, erklingt es aus Tausenden Kehlen. „Safari“ ist mehr als nur ein Song. „Safari“, das ist Musik gewordenes Lebensgefühl. Die Schirme der Käppis, von den Jungs im Publikum vorderköpfig oder hinterköpfig getragen, wippen im Takt, alles hüpft auf und nieder. „Wir alle stinken – nach Schweiß. Und das ist auch gut so!“ Hier ist Durchhaltevermögen gefragt. „Alles im Lot“, „Blattgold auf Anthrazit“ und „Mehr“ – und davon dürfte es noch viel, viel mehr sein. Doch 15 Minuten vor Mitternacht geht auch diese grandiose Grabesfeier leider zu Ende. Turbulenter zugehen wird es allenfalls in München. Beim allerletzten Blumentopf-Konzert am 22. Oktober.

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