Premiere am Kölner Schauspiel: Ein Macho im Körper einer Frau

Premiere am Kölner Schauspiel : Ein Macho im Körper einer Frau

Tosender Beifall für Samantha Ellis' originelle Komödie „How to Date a Feminist“ in Köln.

Die Ehe ist ein Riesenproblem“, sagt Rafael Sanchez und hüpft, völlig schmerzfrei, im Adamskostüm über die Bühne. Sanchez, der wenig später in ein Robin Hood-Kostüm schlüpft, ist Hausregisseur am Kölner Schauspiel. Eigentlich. Denn in „How to Date a Feminist“ ist er auch Schauspieler an der Seite von Ensembleschauspielerin Yvon Jansen, die ebenfalls für Regie verantwortlich zeichnet, und obendrein noch Sanchez’ Frau ist. Das heißt, Sanchez ist Jansens Mann. Bei einem Stück über Geschlechterrollen und -klischees ist das alles gar nicht so einfach. Auf jeden Fall sind die beiden im Privatleben zusammen – auf der Bühne wollen sie erst noch heiraten, in den Rollen von Steve und Kate.

Die Journalistin und der Bäcker lernen sich, frisch von ihren Ex-Partnern verlassen, auf einer Kostümparty kennen. Er in Strumpfhosen und Robin-Hood-Kostüm, sie in Hotpants und mit goldenem Sterne-Stirnband als Wonder Woman. Sie ist eigentlich ein Macho im Körper einer Frau, während er Feminist(in) im Körper eines Mannes ist. Während Steve die Wochenenden seiner Kindheit bei der Mutter im Friedenscamp Greenham Common verbracht hat, umgeben von selbstbestimmten, politisch engagierten Frauen am Rande der Legalität, ist Kate nach der Trennung der Eltern bei ihrem Vater geblieben, der sie konsequent nach seinen unverrückbar traditionellen, das heißt: männlichen Vorstellungen von Ehe und Weiblichkeit erzogen hat. Als Steve beim Heiratsantrag auf die Knie geht, sagt er: „Bevor du etwas sagst, will ich mich bei dir entschuldigen. Ich möchte mich entschuldigen für das Patriarchat.“ Für: „Brautverbrennungen. Genitalverstümmelung. Häusliche Gewalt. Zwangsheirat. Lohnlücke.“ Kate meint zwar, sie könne es nicht leiden, wenn er immer „bei Adam und Eva“ anfange, sie sagt dennoch „Ja“ zu diesem Ehe-Abenteuer. Doch ausgerechnet auf der Hochzeit leisten sich Steves Emanzen-Mutter und Kates Macho-Daddy ein Techtelmechtel, das zum Abbruch der Feierlichkeiten nach nur 90 Minuten führt. Ein Happy End rückt erst mal in weite Ferne.

Das intelligente Spiel ist unterhaltsam

Die englische Autorin Samantha Ellis dekliniert in ihrer 2016 in London uraufgeführten Komödie lustvoll Geschlechterklischees und ihre Umkehrungen durch und treibt das Vexierspiel auch formal auf die Spitze, indem sie sämtliche Rollen für eine Schauspielerin und einen Schauspieler konzipiert. Diese Konstruktion machen sich Sanchez und Jansen spielerisch zu nutzen und tauschen im fliegenden Wechsel Kostüm und Rollen: Von Steve zu Kates Vater oder ihrem Ex-Lover und Vorgesetztem Ross; von Kate zu Steves Mutter oder seiner Ex Carina. An zwei Schminktischen aus der Schauspielgarderobe werden Perücken hin und hergeworfen, helfen sich die Protagonisten in Jacken und Mäntel oder stellen sich auch mal ein Bein, während sie dialogisch von Kate/Steve zu Kate/Ross oder Mutter/Steve mit lässiger Virtuosität wechseln. Das intelligente Spiel erweist sich so nicht nur als sehr unterhaltsam, sondern im Hinblick auf die Thematik auch als debattentauglich. Das Premierenpublikum war jedenfalls aus dem Häuschen und spendete zu Recht minutenlangen, tosenden Applaus.

Weitere Aufführungen: 9. und 25.4. sowie 11.5. jeweils 20 Uhr. Ca. 110 Minuten (keine Pause). Karten gibt es in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers sowie im Internet auf www.ga-bonn.de/tickets.