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Theater im Ballsaal: Ein literarischer Abend mit Lothar Hönnighausen

Theater im Ballsaal : Ein literarischer Abend mit Lothar Hönnighausen

Lothar Hönnighausen, 2001 emeritierter Professor der Universität Bonn, dessen Anthologie "Natur und Umwelt in Amerika" in Kürze im Stauffenburg Verlag erscheint, hatte ins Theater im Ballsaal in Endenich eingeladen.

"Kluge Biber und kämpfende Schlangen. Literarische Streifzüge durch die amerikanische Literatur" war der Titel eines Abends mit ausgewählten Texten - darunter Werke von Thomas Jefferson, Henrry David Thoreau, Herman Melville, Walt Whitman - doch überwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Frank Heuel vom Fringe Ensemble und Lothar Hönnighausen waren als Moderatoren der Frage verpflichtet: "Was ist Natur?"

In der Mitte der Bühne standen zwei Tische, zwei Stühle, genutzt von den mal sitzenden, mal stehenden, mal vorlesenden, mal allein, mal im Chor frei sprechenden Schauspielern Bettina Marugg und Severin von Hoensbroech. Viele Themen der von Hönnighausen eigenhändig übersetzten literarischen Werke erscheinen auch heute noch brandaktuell, selbst wenn ihr Entstehen mehr als zwei Jahrhunderte zurückliegt, wie bei "Der Missbrauch der Natur - das Taubenmassaker" von J. F. Cooper.

Erstaunlich war auch die große Bandbreite an Textarten; Auszügen aus Erzählungen, Reiseberichten, Tagebüchern konnte man ebenso wie wissenschaftlichen Notizen, Briefen und Gedichten lauschen, und sich mitreißen lassen von der auffallend plastischen, bildreichen Sprache. Eine "Kapuze aus grauem Dunst" findet man bei Washington Irving, Annie Dillard erzählt von Licht, das "sich durch den Fliegenschirm an meinem Küchenfenster fädelt", von "Traumflossen" der Goldfische. Eine "Welt der sich drehenden Winde" schildert uns John Hay.

Wenn man am Ende mit Bildern eines fesselnden Schlangenkampfes im Kopf und dem Wissen darum, dass Biberdämme im Gegensatz zu den von Menschen gebauten fast immer halten, nach Hause geht, meint man, die amerikanische Natur tatsächlich etwas besser zu kennen als zuvor, auch wenn es im letzten Text des Abends bei der Autorin Emily Dickinson heißt: "But nature is a stranger yet." Die Natur ist immer noch ein Fremder.