Manu Katché beim Beethovenfest: Ein Feuerwerk der Stimmungen

Manu Katché beim Beethovenfest : Ein Feuerwerk der Stimmungen

Der Schlagzeuger Manu Katché stellte mit seinem Quintett seine neue CD "Unstatic" in der Beethovenhalle vor.

Er hat bei Sting den Takt angegeben, bei Peter Gabriel, den Dire Straits und Jan Garbarek für die adäquate Schlagzeug-Grundierung gesorgt – aber als sein eigener Chef scheint sich Manu Katché besonders wohlzufühlen. Beim Konzert in der Beethovenhalle wich kaum das Dauerlächeln aus seinem Gesicht – was man besonders gut verfolgen konnte, da der Sponsor Deutsche Post DHL die spröde Halle mit Projektionswänden, toller Video- und Lichtshow zum funkelnden Jazzclub aufgebrezelt hatte, was das Gelb- und Rot-Anstrahlen der Decke einbezog, deren Eierkartonoptik plötzlich wie eine minimalistische Skulptur wirkte. Geht doch!

Katché hatte sein eingeschworenes Klasseteam dabei – Luca Aquino, Trompete, Tore Brunborg, Saxofon, und Jim Watson an Klavier und Orgel – bereichert durch die exzellente Kontrabassistin Ellen Andrea Wang. Im Gepäck hatte Katché unter anderem seine im März herausgekommene, wunderbare CD „Unstatic“, und von der spielte er die sechs schönsten Nummern, ohne Pause. Das bescherte dem begeisterten Publikum ein intensives Musikerlebnis. Denn nicht nur die einzelnen Stücke sind Eigenkompositionen Katchés, auch die Abfolge erzählt eine eigene spannende Geschichte, folgt einer ausgeklügelten, sinnlichen Dramaturgie, die große Wirkung auf das Publikum hatte.

Katché startete mit der leichten Latin-Nummer „Introducción“, ein Tänzchen mit kompakten Bläsersätzen und dem Rumba-Rhythmus von Schlagzeug und Klavier. Dann wurde es funky mit dem Titelstück „Unstatic“, in dem Katché seinen Organisten Watson von der Leine ließ. Entfesselt setzte er seine Akkorde, trieb das Quintett an. „November 99“ (von der CD „Neighbourhood“) nimmt das Tempo wieder raus, lässt Bass und Schlagzeug zusammen agieren, der Rest nimmt sich zurück, bis die Trompete eine klare, schlanke Melodie einwirft. Was das Ensemble daraus entwickelt, ist ein Ereignis. „Song for her“ und „Ride me up“ lassen wieder den Funk aufblitzen, „Blossom“ erinnert mit seinem klagenden Saxofon-Einstieg an einen Gospelsong, es gibt den melncholischen Blues und die zarte, zerbrechliche Ballade, die Brunborg mit seinem feinen, eleganten Saxofonton veredelt.

Eine Spur aggressiver agiert Aquino, auch er aber ein Meister des Schönklangs. Den bösen Buben gibt Watson mit seinen dominanten, fetten, funky Orgel-Riffs. Von Wang, die inspirierte Rhythmus-Arbeit leistet und ein, zwei Mal mit Improvisationen solistisch begeistert, hätte man gerne mehr gehört.

Der Zauber dieses Quintetts ist die Beweglichkeit, das Oszillieren zwischen Ensemble- und Soloarbeit, der Wechsel der jeweiligen Dialogpartner während der Stücke. „Unstatic“, nicht statisch, der Name des Programms passt dazu. Wobei Katché, der Franzose mit afrikanischen Wurzeln, auch eine andere Lesart des Titels – ein Kunstwort – ins Spiel brachte: Die maroden Pariser Ferber Studios, wo Katché die CD einspielte, waren wohl nicht so perfekt isoliert, laufend gab es statische Entladungen, immer wieder bekamen Katché & Co. eine gewischt.

Funkenflug auch in Bonn: Um Katché schließlich mit einem langen, packenden Schlagzeugsolo in der Beethovenhalle zu erleben, mussten sich die Zuhörer jedoch bis zum Zugabenteil gedulden: „Clubbing“ (vom Album „Live in Concert“) eröffnete dem Chef alle Möglichkeiten, explosionsartig loszulegen, vertrackte Rhythmen zu brechen, ein Feuerwerk der Stimmungen hervorzuzaubern. Zuletzt gab Katché auch noch den Chorleiter, der das Plenum das zentrale Motiv aus „Snapshot“ singen ließ. Mit der wohligen Ballade „Rose“ schickte das Quintett sein stehend applaudierendes Publikum auf den Heimweg.

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