Konzert in der Philharmonie: Ein Fest der Virtuosität

Konzert in der Philharmonie : Ein Fest der Virtuosität

Sol Gabetta, argentinischer Superstar am Cello, mit Bohuslav Martinus Solokonzert in Köln. Das Finnish Radio Symphony Orchestra Orchester spielt außerdem Werke von Strawinsky und Sibelius

Er kommt auf die Bühne der Kölner Philharmonie, stellt sich so breitbeinig hin wie Gary Cooper in High Noon. Und dann beginnt Hannu Lintu zu dirigieren, mit einer unglaublichen Lässigkeit, wie sie sonst eher Big-Band-Leadern eigen ist. Doch auf ihren Pulten haben die Musiker des Finnish Radio Symphony Orchestra natürlich Noten des klassischen Repertoires, in diesem Falle Igor Strawinskys Symphony in Three Movements, die der auf dem Dirigentenpodest tänzelnde Lintu mit schönem Drive musizieren lässt.

Doch Star des Abends war zweifelsohne die in der Schweiz lebende argentinische Cellistin Sol Gabetta, die Bohuslav Martinus erstes Konzert für Violoncello und Orchester in der großsinfonischen dritten Fassung spielte. Martinu hat den Solopart dieses Konzerts mit allergrößter Sorgfalt auskomponiert und die klanglichen und spieltechnischen Möglichkeiten des Instruments reichlich ausgelotet. Weniger in experimenteller Manier als im Sinne des klassisch-romantischen Virtuosentums. Sol Gabetta kostet das mit Leidenschaft und allergrößter Spielfreude in den schnellen Ecksätzen aus, sie spielt und intoniert absolut sicher, in jeder Lage und in jedem Tempo. Wunderbar geriet freilich auch das Andante, in dem sie den sonoren und vollen Klang ihres Cellos perfekt in Szene setzte. Dabei gibt sie sich als aufmerksame Teamplayerin, etwa in der von der Solobratsche begleiteten Doppelgriffpassage. Für den langanhaltenden Applaus bedankte sie sich mit der Lenski-Arie „Kuda, kuda“ aus Peter Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“ und – ebenfalls mit Ochesterbegleitung – Pablo Casals' sehnsuchtsvollem „Gesang der Vögel“, dessen letzter Ton auf dem Cello sie nachgerade körperlos entschweben ließ.

Zum Abschluss des Konzertes folgte die populäre fünfte Sinfonie des Finnen Jean Sibelius. Lintu hat für die Stimmungen dieser Musik ein gutes Gespür, sowohl für die feine Poesie des zweiten Satzes als auch für den elegischen Schluss. In der Zugabe – das Nocturne aus Sibelius' Bühnenmusik zu „Belsazars Gastmahl“ – punktete vor allem der Soloflötist des Orchesters.