Reihe "Short Stories": Ein Abend für den Kontrabass

Reihe "Short Stories" : Ein Abend für den Kontrabass

Das Ensemble der Kammermusik Köln spielt Schuberts "Forellenquintett" im Historischen Gemeindesaal

In vorromantischen Zeiten hatte der Kontrabass im Orchester die Aufgabe, die Cellostimme klanglich zu verstärken. Weil das in der Kammermusik ziemlich überflüssig war, brauchte man die Kontrabassisten dort nicht.

Insofern war es beim jüngsten Konzert der Reihe "Short Stories", die der Verein Kammermusik Köln im Historischen Gemeindesaal der Erlöserkirche im Bad Godesberger Villenviertel ausrichtet, eine hübsche Idee, das Instrument dennoch einmal in den Mittelpunkt zu stellen.

Das Programm strickten die Veranstalter um Franz Schuberts "Forellenquintett" herum, wo der Kontrabass ungewöhnlicherweise doch einmal zu einem kammermusikalischen Einsatz kommt.

Das Konzert begann jedoch mit dem Klavierquintett in h-Moll op. 70 von George Onslow (1784-1853), der dieselbe Besetzung verwendet wie Schubert im "Forellenquintett". Die Hauptrolle spielt freilich das Klavier. Nicholas Rimmer nahm die Solistenrolle mit großer Brillanz wahr, ließ aber den von der Geigerin Mihaela Martin angeführten Streichern dennoch genügend Raum, einen schönen Klang zu entfalten.

Für ein Intermezzo betraten mit Johannes Seidl und Stanislau Ani-shchanka gleich zwei Kontrabassisten die Bühne, um zusammen mit Rimmer Giovanni Bottesinis "Passione Amorosa" zu spielen, eine virtuose und charmante Neckerei mit vielen einschmeichelnden Terzen und Sexten.

Schuberts "Forellenquintett", das Anishchanka, Rimmer und Martin zusammen mit Matthias Buchholz (Bratsche) und Oren Shevlin (Violoncello) spielten, erklang nach der Pause als eigentlicher Höhepunkt des Konzerts.

Die fünf Sätze wirkten ausgesprochen frisch, wurden lust- und temperamentvoll musiziert, das Scherzo spielten sie mit kraftvollem Zugriff, und die Variationen über Schuberts Lied "Die Forelle" wirbelten launig vorüber. Großer Applaus im sehr gut besuchten Saal.

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