Fado-Sängerin Carminho in der Philharmonie: Eigene Farbe

Fado-Sängerin Carminho in der Philharmonie : Eigene Farbe

Portugal hat eine Stimme. Sie gehört Maria Carmo de Carvalho Rebelo de Andrade alias Carminho. Und all denen, die die 30-jährige Sängerin am Mittwochabend bei ihrem einzigen NRW-Konzert erleben durften.

Es sitzen viele Portugiesen im Publikum, aber auch diejenigen, die nicht wissen, dass mit sehnsuchtsdunklen Tönen in "La Ventura" das Glück besungen wird, das so zerbrechlich wie Glas ist, ahnen, dass hier gerade etwas Großes passiert: Carminho verleiht dem Fado eine ganz eigene Farbe.

Unterstützt von den drei Gitarristen Luis Guerreio, Diego Clemente und José Marino de Freitas, Keyboarder Ruben Alves und Percussionist André Silvas zieht die zierliche Frau 90 Minuten lang alle, die ihr lauschen, in einen schier zauberischen Bann. Wie hoch virtuos ihre Musiker sind, merkt man spätestens dann, wenn sich Carminho kurzzeitig von der Bühne entfernt, um ihrem furiosen Quintett den kompletten Applaus zu überlassen.

Dann aber ist sie wieder da, die langen Haare im Nacken zum straffen Knoten gebunden, mit einer Stimme, die so süß ist wie der Tod und so verlockend wie die Liebe, die sich empor schwingt zum Himmel ("Andorinha") und tief, ganz tief ins Erdreich des Fado gräbt, um dort neue, alte Schätze zutage zu fördern ("Bom dia, Amor").

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