Rolandseck-Festival: Dritter Abend verbindet genre-übergreifend Literatur und Musik

Rolandseck-Festival : Dritter Abend verbindet genre-übergreifend Literatur und Musik

Beethoven hätte sich nicht träumen lassen, dass eine seiner Violinsonaten im Zusammenhang mit einem Mord stehen könnte. Sein, dem französischen Violinvirtuosen Rodolphe Kreutzer gewidmetes op. 47, die so genannte "Kreutzer-Sonate", respektive deren Kopfsatz, spielt in der nach ihr benannten Novelle des russischen Erzählers Leo Tolstoj eine finale Indizien-Rolle, indem sie deren wahnhaft eifersüchtigen Protagonisten dazu bringt, seine mit dem vermeintlichen Nebenbuhler musizierende Gattin brutal zu erdolchen.

Leos Janácek wiederum hatte die Lektüre von Tolstoj zu seinem emotional aufgeladenen ersten Streichquartett angeregt, dem er den entsprechenden Untertitel: "Kreutzer-Sonate" gab. Diesen Zusammenhängen ging der dritte Abend des Rolandseck-Festivals nach, in dem er, genre-übergreifend Literatur und Musik sinnvoll verbindend, Beethoven und Janácek mit Auszügen der Tolstoj-Erzählung kurzschloss.

Isabel Karajan gab, assistiert von Klaus Ortner, verbale Proben jenes Wahnsinns, während sich Boris Brovtsyn, Violine, und Ohad Ben-Ari, Klavier, in den Ecksätzen von Beethovens A-Dur-Sonate schier entäußern wollten. Nahezu psychopathologisch ging es dann nach der Pause zu. Am ersten Pult saß Boris Brovtsyn, Festivalleiter Guy Braunstein begnügte sich diesmal mit der zweiten Violine.

Zusammen mit Amihai Grosz, Viola, und Zvi Plesser, Violoncello, wurde Janaceks Quartett von der Stuhlkante aus tief schürfend und in großer Geschlossenheit musiziert. Eröffnet worden war der Abend mit Christian Spitzenstätters "Paraphrase über die Kreutzer-Sonate" für Klarinette solo, überwiegend Fingerübungen unter Zuhilfenahme von Gurgel- und Klappengeräuschen, denen Janis Tretjuks musikalisch Gestalt verlieh.

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