Drei Mönche und ihr süßer Engel

Drei Mönche und ihr süßer Engel

Battermanns "Drei Plus Eins gleich Halleluja" im Kleinen Theater Bad Godesberg

Bad Godesberg. Noch pikanter als der übliche Boulevard-Blick in die üblichen Schafzimmer ist der hinter dicke Klostermauern. Das scheint sich Florian Battermann - derzeit noch Walter Ullrichs Stellvertreter am Kleinen Theater Bad Godesberg, demnächst selbst Chef eines neuen Komödienhauses in Braunschweig - gedacht zu haben, als er seine Komödie "Drei Plus Eins Gleich Halleluja" ins fromme Milieu der Franziskaner verlegte. Nachwuchsprobleme gibt''s dort jedenfalls auch.

Dass die klösterliche Arithmetik in Wolfgang Nitschs flotter Inszenierung restlos aufgeht, dafür sorgt ein Erzkomödiantenpaar, dem das Stück geradezu auf den Leib geschrieben zu sein scheint: Alexander Grill als sinnenfroher Pater Ambrosius und Gerd Neubert als listiger Bruder Eusebius.

Die beiden liefern sich bibelfeste Wortgefechte (der Autor hat immerhin mal Theologie studiert), dass die Fetzen fliegen, verzeihen sich kleine menschliche Schwächen wie den Rotwein im Spezialkühlschrank oder die Elvis-Tolle aus seligen Rock-Zeiten und halten zusammen wie Pech und Schwefel, wenn''s um den Erhalt ihrer kleinen Gemeinschaft geht. Die schwebt nämlich wegen mangelnder Rentabilität ihres Klosters in höchster Gefahr.

Bischof Leopold (Christian Vitu als eiskalter klerikaler Boss mit Mafia-Allüren) will das historische Gemäuer kurzerhand an einen Touristikkonzern verscherbeln: Aus der Kirche wird ein Schwimmbad mit Riesenrutsche vom Turm, aus der Krypta - oh Graus! - eine Erotikbar. Aus wär''s dann mit der Idylle, die Horst Neumanns Einheitsbühnenbild reizend mit Blick in den verwilderten Kreuzgang andeutet.

Mindestens drei Mitglieder braucht die Gemeinschaft, damit dieses Unheil nicht Wirklichkeit wird. Der Novize Bruder Tarzisius, kurz "Tarzan", den Florian Battermann selbst mit flapsiger Jungenhaftigkeit gibt, wird also umhegt und bemuttert, dass es ihm schon auf den wachen Geist geht. Der ist willig, aber ...

Genau darauf setzt der Bischof, wenn er seine Top-Agentin (Code 006) ins Spiel bringt. Die blonde Julia (bezaubernd: Sylvia Agnes Muc in ihrer ersten Bühnenrolle) platzt - angeblich nach einem Autounfall - in die friedliche Dreisamkeit. Tarzan könnte mit dieser verführerischen Jane gleich in den Dschungel der Freiheit fliehen, aber vor das Happy-End hat der Liebe Gott natürlich noch eine Menge Komödienstoff geschoben.

Erst mal entpuppt sich der süße Engel als schamhafte Nonne (immerhin mit gepierctem Nabel und auch sonst anscheinend nicht ganz unerfahren beziehungsweise bestens "gebrieft"), die ihr böses Spiel im Auftrag des Bosses bereut. Bei Tarzisius herrscht also wieder "tote Kutte" unter dem Fanziskanergewand, selbst wenn Eusebius ihm inzwischen eins im schicken Leopardenlook geschneidert hat (Kostüme: Sylvia Rüger).

Dafür, dass am Ende nur die Rechnung des Bischofs nicht aufgeht, sorgt auch Monsignore Clemens, den Walter Sandner mit einer gelungenen Mischung aus Loyalität und verschmitzter Aufmüpfigkeit spielt. "Die Wege des Herrn sind unergründlich" (Röm. 11/33). Halleluja, Amen! Knapp zwei Stunden mit pfiffigen Dialogen. Unterhaltung pur! Selbst ein Bischof könnte über diese seine Schäfchen schmunzeln.

Bis zum 29. Juni fast täglich im Kleinen Theater Bad Godesberg, Kartenbestellungen unter Telefon (02 28) 36 28 39.

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