Deutscher Musikwettbewerb: Drei Bonner Pianisten im Rennen

Deutscher Musikwettbewerb : Drei Bonner Pianisten im Rennen

Wenn man an den Deutschen Musikwettbewerb (DMW) denkt, denkt man an Thomas Rabbow. Das geht gar nicht anders, schließlich hat der Projektleiter des DMW und der Bundesauswahl der Konzerte junger Künstler den Job 21 Jahre lang gemacht.

Nun ist Schluss damit, Rabbow geht, wie berichtet, in den Ruhestand und muss "sein" Baby in neue Hände geben. Den aktuellen Wettbewerb organisiert er noch einmal mit aller Leidenschaft. "Es ist genauso spannend wie beim ersten Mal", sagt er.

Stolz ist Rabbow nach wie vor auf den besonderen Zuschnitt des DMW, denn hier geht es explizit um die Förderung. "Das ist das unser internationales Alleinstellungsmerkmal. Bei uns bedeutet der Wettbewerb die Suche nach herausragenden Talenten mit dem Ziel, sie über Jahre zu fördern."

Davon wollen auch einige Teilnehmer aus Bonn profitieren. Vor allem bei den Tastenkünstlern gibt es in diesem Jahr einen regelrechten Bonner Pianistengipfel beim DMW. Mit Felix Wahl, Luisa Imorde und Fabian Müller waren drei der besten Nachwuchs-Klaviervirtuosen aus der Bundesstadt am Start. Während Wahl schon am Nachmittag spielte, traten Müller und Imorde erst am Mittwochabend in der Beethovenhalle vor die Jury. Müller kam als einziger aus Bonn eine Runde weiter.

Der junge Bonner spielte gestalterisch sehr dezidiert und formvollendet den ersten Satz aus Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate in F-Dur (KV 332) und fuhr mit Präludium und Fuge d-Moll aus dem zweiten Teil des Wohltemperierten Klaviers von Johann Sebastian Bach fort. Ungemein differenziert arbeitete Müller im überwiegend konsequenten non-legato melodische Linien und polyphone Strukturen deutlich heraus. War Bach hier eindeutig rational geprägt, schloss sich als gelungener Kontrast das sehr emotionale, von schroffen Stimmungswechseln geprägte a-Moll-Etüde aus op. 25 von Frédéric Chopin an. Ein virtuoser Abschluss eines insgesamt tadellos vorgetragenen Wettbewerbsprogramms.

Luisa Imordes Bach-Spiel war eher durch ein strukturiertes Legato geprägt. Präludium und Fuge H-Dur (WK II) mutete unter ihren Händen ungemein sanglich an, gestalterisch aber nicht weniger überzeugend. Vor allem die pathosfrei und natürlich dahinströmende Fuge überzeugte mit großer Ruhe und großen Spannungsverläufen. Mozarts Kopfsatz aus der Sonate in B-Dur (KV 281) gestaltete Imorde ebenso konzise wie routiniert, Chopins h-Moll-Etüde aus op. 25 trieb sie virtuosen Girlanden und äußerst verhaltenen Passagen im Mittelteil souverän in die Extreme.

Aber auch die Konkurrenz war beeindruckend, Daniel Seng etwa mit einer in noch subtilere Extreme getriebenen a-Moll-Etüde aus op. 25 von Chopin oder einem wirklich grandios gespielten Kopfsatz aus Mozarts Sonate in c-Moll (KV 310). Frank Düpree dagegen empfahl sich mit einem durch große Bögen und eine absolut soghafte Gleichförmigkeit auszeichnendem Präludium und Fuge B-Dur (WK II) Bach, einem ungemein heiter und gelösten Kopfsatz aus Mozarts D-Dur Sonate (KV 576) und einer h-Moll-Etüde aus op. 25 von Chopin, die mit einem wahren Oktavengewitter in den Rahmenteilen und einem äußerst gefühlvollen Mittelteil nochmal eine Schippe drauf setzte. Am Ende hat es sowohl für Seng als auch für Düpree gereicht: Beide sind in der nächsten Runde.