Spielpläne für 2019/2020 in Bonn: Diese Höhepunkte bringt die neue Opern-Spielzeit

Spielpläne für 2019/2020 in Bonn : Diese Höhepunkte bringt die neue Opern-Spielzeit

Die kommende Saison des Theaters Bonn ist die erste von zwei Spielzeiten, die vom Beethoven-Jubiläum geprägt sind. Wir stellen einige Höhepunkte des neuen Programms vor.

Die kommende Saison wird für das Theater Bonn in der Spielzeit 2019/20 in mehrfacher Hinsicht ein Kraftakt werden. „Sie ist die erste von zwei Spielzeiten, die mit dem großen Beethovenjubiläum zu tun hat“, erläuterte Generalintendant Bernhard Helmich am Donnerstag im Opernhaus bei der Vorstellung des Spielplans, „und sie ist die dispositionell größte Herausforderung der vergangenen Jahre“. Das liegt vor allem daran, dass Helmichs Haus wegen der fortdauernden Sanierung der Beethovenhalle die Hauptspielstätte für das Jubiläumsjahr 2020 sein wird und sowohl für das Beethoven Orchester als auch für Gastspiele Konzertsaal sein wird. Trotz der historischen Programmdichte sei es jedoch gelungen, „alles unter einen Hut zu kriegen“, sagte Helmich. „Wir haben deshalb zwar weniger Vorstellungen im Musiktheater. Aber wir wollten trotzdem nicht weniger Premieren anbieten.“

Zum Start ins Beethovenjahr kündigte Helmich für den 1. Januar 2020 gleich eine sehr besondere Premiere an: Ludwig van Beethovens einzige Oper „Fidelio“ in einer Inszenierung von Volker Lösch. Der Regisseur ist in Bonn bislang zwar nicht durch seine Arbeit am Musiktheater aufgefallen, hat dafür aber mit „Waffenschweine“ und vor allem mit dem WCCB-Stück „Bonnopoly“ für Aufreger im Schauspiel gesorgt. „Wenn man 'Fidelio' macht, muss man sich entscheiden“, erläuterte Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan die Wahl Löschs.

„Macht man das 'schön', oder versucht man, den Stachel des Werkes ins Heute zu transportieren und damit durchaus auch provokante Positionen einzunehmen. Wir haben uns für Letzteres entschieden.“ Kaftan, der in diesem „Fidelio“ die musikalische Leitung übernimmt, erhofft sich einen „streitbaren Auftakt“ für das Beethovenjahr. Es werde aktuelle Bezüge geben, aber er versprach auch: „Es wird nichts an der Musik verändert.“

Die „Fidelio“-Produktion wird ebenso durch die Jubiläumsgesellschaft BTHV2020 unterstützt wie der an Manfred Trojahn vergebene Kompositionsauftrag für seine „reflexive Szene“ mit dem Titel „Ein Brief“ nach einem Text von Hugo von Hofmannsthal. Mit seinem Stück stellt Trojahn einen Bezug zu Beethovens Oratorium „Christus am Ölberg“ her, das als fester Bestandteil der Inszenierung, die am 8. Februar 2020 Premiere hat, im Anschluss erklingt. Regie führt Reinhild Hoffmann, es dirigiert Dirk Kaftan. Mit dem Trojahn/Beethoven-Doppel gastieren die Bonner im Februar 2020 am Theater an der Wien, wo „Christus aam Ölberg“ am 5. April 1803 seine Uraufführung erlebte.

Eine weitere von BTHVN2020 unterstützte Produktion ist Mauricio Kagels „Staatstheater“. Die Verbindung des Komponisten zu Beethoven findet man zwar eher in seinem berüchtigten Film „Ludwig van“, den er zum Beethoven-Jubiläum 1970 drehte, doch in „Staatstheater“ führt er den satirischen Blick auf die etablierte Musikkultur noch weiter. In Jürgen R. Weber, der zuletzt in Jonathan Doves „Marx in London“ in Bonn Regie führte, hofft Helmich den richtigen Mann für das Werk gefunden zu haben, das 1971 in Hamburg wegen Bombendrohungen nur unter Polizeischutz uraufgeführt werden konnte. Bei der Premiere am 25. April 2020 wird nur eine kleine Abordnung des Beethoven Orchesters benötigt, die übrigen Musiker sind dann als Beethoven-Botschafter in Japan auf Tour.

Der Beethoven-Bezug ist für die nächste Spielzeit freilich nicht zwingend. Sie beginnt am 15. September mit der traditionellen Musical-Produktion, diesmal ist es Leonard Bernsteins „West Side Story“. Erik Petersen führt Regie, Daniel Johannes Mayr dirigiert und Marie Heeschen singt abwechselnd mit Sybille Lambrich die Maria.

Es folgen in Kooperation mit dem Beethovenfest Salvatore Sciarrinos Einfrau-Kammeroper „Infinito Nero“ mit Dshamilja Kaiser (Premiere, 26. September) und als erste große Opernproduktion Richard Strauss' „Der Rosenkavalier“, die der Wiener Josef Köpplinger inszeniert. Es dirigiert Dirk Kaftan, die Marschallin singt Martina Welschenbach. „Wir planen keine revolutionäre Umdeutung des Stoffes“, verspricht Kaftan, der bereits mehrfach mit Köpplinger zusammengearbeitet hat.

Ein Klassikerdoppel schließt sich am 9. November 2019 an. Dann haben die beiden Einakter „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni und „Pagliacci“ von Ruggero Leoncavallo Premiere. Regie führt Guy Montavon. Der Erfurter Intendant war 1992 bis 1995 Oberspielleiter an der Oper Bonn und begleitete damals die gefeierte Bonner „Cavalleria/Pagliacci“-Inszenierung seines Chefs Giancarlo Del Monaco. Es dirigiert Will Humburg.

Das Vorurteil, dass Operette in Bonn nicht gehe, will Helmich mit der Programmierung von Johann Strauß' „Die Fledermaus“ entkräften (Premiere 8. März 2020). Zum Abschluss der Saison gibt es mit „Tod in Venedig“ nach der berühmten Novelle von Thomas Mann eine seltener gespielte Oper von Benjamin Britten.

Der Vorverkauf für alle Vorstellungen der neuen Saison beginnt am 25. Mai 2019. Infos im Internet: www.theater-bonn.de.

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