Die Zeremonie des Eieraufschlagens

Die Zeremonie des Eieraufschlagens

"O namenlose Freude": Kinder-Mitmachkonzert in der Bonner Beethovenhalle mit Klaudia Kadlec ist ausbaufähig

Bonn. Ferdinand hat alles im Griff. Der Kammerdiener, ein ehemaliger Tänzer mit irreparablem Knieschaden, schwingt graziös den Staubwedel, wimmelt lästige Besucher ab und kocht ein hervorragende Brotsuppe.

Hätte Ludwig van Beethoven so ein treusorgendes Faktotum wirklich auf seiner Gehaltsliste gehabt, es wäre ihm in seinem Wiener Domizil womöglich besser ergangen.

Aber Ferdinand ist nur eine Erfindung, Hauptperson im Kinder-Mitmachkonzert "O namenlose Freude!", das Klaudia Kadlec sowie Darsteller und Musiker des Wiener Herbert-von-Karajan-Centrums in Zusammenarbeit mit dem Bonner Beethoven-Haus im Studio der Beethovenhalle inszenierten.

"Wir sind dabei, wenn Beethovens Oper entsteht", lautet der Untertitel des Nachmittags, aber von "Fidelio" bekommen die fünf- bis zehnjährigen Zuschauer wenig zu sehen und zu hören.

Der Komponist - eine weitgehend stumme Rolle - sitzt am Notenpult und kritzelt in seiner Opernpartitur herum, während verschiedene Musiker Einlass und Gelegenheit zum Vorspielen begehren.

Auf diese Weise kommen nach dem Klaviertrio op. 1/1 auch Sätze aus der Kreutzer-Sonate und der Cello-Sonate in A-Dur recht ordentlich zur Aufführung - ganz schön lange Musikstücke für Kinderohren.

Zumal die schwerfällige, spärliche Geschichte der Rahmenhandlung, deren Lücken Klaudia Kadlec durch Zwischenmoderationen zu füllen versucht, keineswegs ausreicht, um die Aufmerksamkeit während dieser ausgedehnten Intermezzi wach zu halten.

Am besten funktioniert das Mitmachkonzert da, wo die Kinder tatsächlich selbst ins Geschehen eingreifen dürfen: als Ferdinands eifrige Helfer, die Flügel und Hörrohr abstauben, als Köche, die vom Meister höchstpersönlich in die komplizierte Zeremonie des Eieraufschlagens eingeweiht werden.

Ein großer Erfolg sind auch die Tanzgruppen, die jeweils nur für wenige Minuten mit Ferdinand vor die Tür gegangen sind und den stolzen Eltern am Ende coram publico formvollendete Marsch-, Walzer- und Ecossaise-Choreographien vorführen.

Auch im getanzten Finale, einem mit brasilianischen Rhythmen aufgebrezelten Beethoven-Medley, blitzt etwas von der namenlose Freude auf, die der Titel so vollmundig versprochen hat.

Dennoch: Mag das Konzept auch als witzige Beschäftigunstherapie taugen - um Kindern Beethoven und seine Musik näher zu bringen, müsste es noch einmal gründlich überarbeitet werden.