Große Oper für die ganze Familie: "Die Schneekönigin" mit spektakulären Bühnenbildern

Große Oper für die ganze Familie : "Die Schneekönigin" mit spektakulären Bühnenbildern

In den Fängen der kalten Herrscherin: Große Begeisterung für Marius Felix Langes Oper nach dem Märchen von Hans Christian Andersen, die in Bonn auf der großen Bühne zu erleben ist.

Wer „Die Schneekönigin“ in der Oper Bonn gesehen hat, sollte danach immun sein gegen die Splitter des Teufelsspiegels, die alles Gute, Schöne und Wahre ins Böse, Hässliche und Fratzenhafte verzerren. Zumindest diese Familienoper kann so leicht niemand schlechtreden. Komponist Marius Felix Lange hat in enger Anlehnung an das Märchen von Hans Christian Andersen auch das Libretto geschrieben, und das von Johannes Schmid in Szene gesetzte Gesamtpaket, bereits das dritte Auftragswerk in der Reihe Junge Opern Rhein Ruhr, ist in Bonn genauso überzeugend wie in Düsseldorf, Duisburg und Dortmund.

In der biedermeierlichen Behaglichkeit des Großmutterhauses reden Kay und Gerda über die Schneekönigin, die der Junge, käme sie herein, flugs auf den Ofen setzen würde. Hätte er mal besser nicht so große Töne gespuckt, schon bald nämlich sind Spiegelsplitter in Kays Herz und Auge und er selbst in den Fängen der kalten Herrscherin.

Gerda kann den Freund nicht im Stich lassen und macht sich auf eine lange, gefahrvolle Reise, um ihn zurückzuholen. Ihre Begegnungen mit Tieren, Räubern und weisen Frauen taucht Lange in ein musikalisches Bad von filmreifer Schönheit, aus dessen Klangfarben und Stimmungen andersweltliche Gesangslinien herauswachsen.

Aber auch die harte Realität verschweigt die Oper nicht: Besonders für Kinderohren ist die Tonalität schwer fassbar, Dissonanzen sind die Regel und sangbare Melodien wie das leitmotivische Rosenlied die große Ausnahme. Das kann die Sänger freilich nicht schrecken. Schneekönigin Julia Bauer gestaltet ihren Part mit klarem und kaltem Sopran, auch die Vokalisen in eisigen Höhen bringen sie nicht in Verlegenheit. Als Gerda liefert Marie Heeschen mit mädchenhaftem Schmelz, aber auch zupackender Schärfe in den exponierten Tönen („Kay!“) eine stimmige Rollenstudie. Bariton Di Yang gefällt als Kay vor allem in den leisen, wunderbar lyrisch ausgesungenen Momenten, während der spektakulär schöne Tenor von David Fischer im komischen Part der Krähe fast zu kurz kommt – aber was er zu singen hat, singt er perfekt.

Theaterzauber mit Lichteffekten und Schneegestöber

Bass Martin Tzonev darf als Rentier in der einzigen wirklichen Arie der Oper nach seiner lappländischen Heimat schmachten, bevor er vom Räubermädchen (Katharina von Bülow) rüde abgewürgt wird. Ava Gesell und Taras Ivaniv sind als tollpatschiges Trollpärchen immer zur Stelle, Susanne Blattert zeigt als Großmutter Präsenz, als saunierende Finnin aber noch mehr.

Ein musikalisches Kabinettstückchen ist das Duett von Christian Georg und Louise Kémeny, die als Prinz und Prinzessin im Himmelbett ihre Gefühlswallungen mit parodistisch zugespitzter Italianità zelebrieren. Dass ein Großteil des wortreichen Librettos schwer zu verstehen ist – Opernschicksal. So manchen pointierten Dialog verpassen Kinder ab sechs gewiss, wenn sie nicht sehr flink im Lesen der Übertitel sind. Selbst der sonst so sichere Chor gerät beim Schnellsprechen an seine Grenzen. Am Pult im Orchestergraben lässt Daniel Johannes Mayr jedoch niemanden zurück. Mit Harfe, Glockenspiel, Triangel und dem ganzen hellwachen Beethoven Orchester Bonn malt er Eiswüsten und Blumengärten in üppigen Klangfarben.

Bei aller musikalischen Suggestionskraft – den jungen Zuschauern werden die märchenhaften Bilder der Inszenierung mehr im Gedächtnis bleiben. Johannes Schmid baut bei seinem poetischen Erzählduktus ganz auf die fabelhaften Ideen seiner Ausstatterin Tatjana Ivschina. Die veranstaltet mit allem, was die Bühnenmaschinerie hergibt, einen echten Theaterzauber. Ein Rosenhaus wird im Handumdrehen zum Eisberg, die unwirklich plastische Vegetation im Garten der Blumenfrau saugt den Blick an, und die Räuberhöhle steigt wie von Zauberei auf einem Hubpodium empor. Schneegestöber, Lichteffekte, Projektionen und vor allem die prachtvollen Kostüme sorgen für ganz großes Kino. Begeisterter Premierenapplaus.

Die nächsten Vorstellungen: 9., 17 und 22. Februar. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers sowie im Internet auf www.ga-bonn.de/tickets.

Mehr von GA BONN