Wellness-Komödie "Aufguss": Die Sauna als Lust-Biotop

Wellness-Komödie "Aufguss" : Die Sauna als Lust-Biotop

Applaus für kurzweilige Wellness-Komödie "Aufguss" im Contra-Kreis-Theater.

Geschlechts-überreife Großstadtgewächse zwischen Sauna und Sanarium - für Lustspiel-Volldampf ist also gesorgt in der "Wellness-Komödie", die am Donnerstag ihre umjubelte Premiere am ausverkauften Contra-Kreis-Theater erlebte. Wer beim Titel "Aufguss" an eine andere Vorsilbe denkt, liegt durchaus richtig.

Auch wenn es mit den Ergüssen nicht ganz so einfach läuft, wie der erfolgreiche Waschmittelfabrikant Dieter sich das vorgestellt hat, als er seine reizende Lebensabschnittsgefährtin Mary zu einem entspannten Wellness-Wochenende auf dem Lande einlud. Der charmante Best-Ager ist trotz märchenhafter Geschäftsbilanzen nicht mehr gänzlich flüssig.

TV-Star Hugo Egon Balder spielt den fortgeschrittenen Playboy mit Vorliebe für saubere Lösungen und beweist erneut seine exzellenten Qualitäten als Bühnenschauspieler. Dass Balders erste Band "Birth Control" hieß und dass er sich mittlerweile ehrenamtlich für Knochenmarkspenden engagiert, ist insofern von Belang, als es um gesunden Nachwuchs tatsächlich geht im amüsanten Beziehungsgeflecht des allen Boulevard-Kunststücken trefflich gewachsenen Darstellerquintetts. Wie sie manchen schlüpfrigen Wortspielen noch eins draufsetzen - "Das ist jetzt eine hübsche Formulierung in diesem Zusammenhang" - treibt die Zweideutigkeit auf die Spitze und multipliziert die Lacher im Publikum.

Dass Dieter sich per Kindersegen von Mary verabschieden möchte, ist ein ebenso schöner Zug wie seine regelmäßige finanzielle Unterstützung einer Kinderklinik. Wobei das mit den Spenden etwas heikel wird, wenn Gene und Geld sich zu einem fruchtbaren Biotop verbinden. Der von Dieter als Samenspender ausersehene Alain - an der Fernuniversität zu Hagen nennen sie den Mathe-Professor "The Body", im Fitness-Studio "The Brain" - ist nicht nur unter Zuchtaspekten eine gute Wahl. Jens Hajek verkörpert die beiden Seiten dieser Existenz perfekt.

Wobei Madeleine Niesche als bildhübsche Mary mehr Grips hinter ihrer gertenschlanken Erscheinung verbirgt als die üblichen Männerfantasien zulassen. Dorkas Kiefer als Emelie und "rechte Hand" des linkischen Klinikchefs Lothar gibt fabelhaft die blitzgescheite Sponsoring-Fachfrau, unerschütterlich auf der Suche nach potenten/ potenziellen Helfern. Tausendsassa René Heinersdorff, Leiter des koproduzierenden Düsseldorfer Theaters an der Kö, Autor und Regisseur des bizarren Spenden-Wirrwarrs, spielt selbst den geistig nicht gerade übertrieben hellen Medizinmann auf der Suche nach Quellen für seine Infusions-Abteilung. Dafür stürzt er sich sogar heldenhaft in ein Abkühlbecken, während das überhitzte Ensemble nach der Pause ein kulinarisches Alliterations-Intermezzo zelebriert, das mit Troisdorfer Trüffeln und Züllighofener Zimtzipfeln endet.

Mit Heinersdorffs trockenem Humor bleiben erotische Feuchtgebiete so ungefährlich wie Haie im Menschenzoo. Im coolen Fitness-Oasen-Bühnenbild von Tom Grasshof steuert die bissige Satire auf Lebensgier elegant ins Ziel: Bürgerliches Lachtheater auf hohem Niveau mit nacktem Wahnsinn ohne peinlich schmerzhafte Bloßstellungen. Der reichlich gespendete Applaus nach zwei Stunden bester Unterhaltung war fulminant.

Vorstellungen bis zum 28.Juni fast täglich. Karten unter anderem bei allen Vorverkaufsstellen des GA. Weitere Infos unter www.contra-kreis-theater.de