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"Rock am Ring": Die Riesen-Party in der Eifel hat begonnen

"Rock am Ring" : Die Riesen-Party in der Eifel hat begonnen

Bands wie The Subways und Gossip eröffneten am Freitagabend das Open-Air-Spektakel "Rock am Ring" mit 85.000 Musik-Fans.

Das Auffälligste an der Band The Subways aus England ist die Bassistin Charlotte Cooper, eine Rock 'n' Roll Queen, wie sie in einem ihrer Hits besungen wird. Wenn sie nicht gerade am Mikrofon ein paar Background-Phrasen singt, hüpft sie, an den Saiten ihres Instruments reißend, über die Bühne, als bestünden ihre Beine aus Sprungfedern.

Die Subways, deren Mitglieder seit frühester Jugend zusammen spielen, waren eine der ersten Bands, die am Freitag am ersten Tag des seit Monaten ausverkauften Open-Air-Spektakel Rock am Ring auf der Hauptbühne, der Centerstage, zu erleben waren. Die Festival-Fans, die sich rechtzeitig eines der rund 85.000 verkauften Tickets ergattert hatten, ließen sich von der Band aus Hertfordshire auf die kommenden Stunden und Tage einstimmen, hüpften im Takt, hoben die Arme und hatten einfach gute Laune. Nicht nur bei dem Hit "Kiss Kiss Bang Bang". Dass Charlotte Cooper sich privat mittlerweile von Sänger Billy Lunn getrennt hat, scheint das Bandprojekt nicht zu gefährden.

Und während parallel dazu auf der Alternastage die New Yorker Band Anthrax um den virtuosen Leadgitarristen und einzig verbliebenem Gründungsmitglied Scott Ian mit harten Akkorden und kreischenden Soli die Metal-Gemeinde beglückte, verbreiteten auf der Clubstage sieben als Affen mit schwarzer Weste und weißem Schlips verkleidete Musiker mit Gitarre, Schlagzeug, Bläsern und knalligen Ska-Rhythmen Spaß. Destination Anywhere heißt die Newcomerband und kommt aus Siegen.

Den meisten Zulauf hat aber natürlich die Centerstage. Selbst wenn die Alternastage am ersten Abend mit Highlights wie Lamb of God oder den wieder aktiven Guano Apes auftrumpfen konnte, hatte eine Band wie Kasabian auf der Hauptbühne den stärkeren Zuspruch.

Während Frontmann Tom Meighan durch eine große, in einem roten Rahmen gefasste Sonnebrille aufs Publikum in die zögerlich sich blicken lassende Abendsonne schaut und das Publikum eins ums andere Mal auffordert, die "fucking hands" zu heben, kreieren seine Mitmusiker in Stücken wie dem großartigen "Days Are Forgotten" den typischen Kasabian-Sound, der Brit-Pop mit den unterschiedlichsten Einflüssen der Popgeschichte mischt. Auf ihrem vierten Album "Velociraptor" haben sie das bis zur Perfektion verfeinert.

Am Abend sorgte neben Meighan vor allem Gitarrist Sergio Pizzorno für Akzente. Um ihre zum Teil doch ziemlich aufwendigen und komplexen Sounds herüberzubringen, war die Stammbesetzung um Instrumente wie Keyboard und sogar Trompete erweitert worden.

"We are Motörhead. We are Linkin Park. We are what you hate", sagt Beth Ditto von Gossip zwischen zwei Liedern ihres Auftritts nach Kasabian. Mit den maskulinen Bands hat die Powerfrau natürlich gar nichts am Hut. Sie steht für Pop, sie steht für Disco, und sie steht für Frauenpower.

Am besten sind Sängerin und Band, wenn die Musik so richtig Fahrt aufnimmt wie in der aktuellen Single "Perfect World", wenn ihre Stimme vor Kraft vibriert, wenn Bruce Paine mit der Gitarre Akzente setzt und Schlagzeugerin Hannah Billie, mit Kappe, kurzrasierten Haaren, dazu ihre Beats mit der Perfektion eines Rhythmus-Computers schlägt.

Mit ihrer Fülle hat Beth Ditto keine Probleme. Offensiv stellt die Feministin ihren Körper aus, eingeschnürt in hautengen schwarzen Stoff. Irgendwann klettert sie von der Bühne herunter, überwindet die Absperrung und nimmt ein Bad in der Menge, wo sie ihr Mikrofon herumreicht. Wenn sie dann gegen Ende ihres Auftritts das kraftvolle "Standing in the Way of Control" herausschleudert, baut sie Nirvanas "Smells like Teen Spirit" ein, das vom Publikum gern aufgenommen wird. Und dann folgt ihr Megahit "Heavy Cross", der live noch immer unschlagbar ist.

Der Abend dauerte danach mit Auftritten unter anderem von Soundgarden und Linkin Park auf der Hauptbühne bis in die späte Nacht. Ob Beth Ditto sich später die Shows von Motörhead und Linkin Park angesehen hat, ist nicht bekannt.