"Rock am Ring": Die größte Partymeile Europas

"Rock am Ring" : Die größte Partymeile Europas

Tausende Fans haben sich auf den Campingplätzen am Ring eingerichtet, zum Teil mit kompletter Single-Haushaltsausstattung.

85.000 Nürburgring-Enthusiasten und Musikfans haben auch in diesem Jahr Kurs auf die Eifel genommen, um bei "Rock am Ring" vor und abseits der drei im Infield der Grand-Prix-Strecke aufgebauten Bühnen eine 72-stündige Dauerparty zu feiern. Tausende eingefleischter "RAR"-Jünger waren bereits am Mittwoch angereist. Zu ihnen zählt vor allem die Nordschleifengemeinde, die der schönsten Rennstrecke der Welt auch als größte Partymeile Europas zu legendärem Ruf verholfen hat.

Denn insbesondere für Nordschleifen-Camper, die sich in der "Grünen Hölle" die besten Claims sichern wollen, gilt: "Nur der frühe Vogel fängt den Wurm". Und während sich am Donnerstag der gemeine Festivalbesucher in eine nicht enden wollende Blechlawine hatte einreihen müssen, säumten den kilometerlangen Grünstreifen entlang der Rennstrecke bereits zahllose Zelte, Pavillons, Wohnwagen und Autos.

Dort, wo sonst die Reifen PS-starker Boliden rauchen, qualmen jetzt die Grills. Und statt Motorengeheul liefern sich die Toten Hosen mit "An Tagen wie dieser" eine wahre Dezibel-Schlacht mit dem Iron Maiden-Klassiker "2 Minutes to Midnight", während sich Bill Haleys "Rock around the clock" tapfer gegen den aktuellen Boss Hoss-Hit behauptet.

Die Stimmung auf den Campingplätzen kann es mit dem Treiben auf dem eigentlichen Festivalgelände durchaus aufnehmen. "Hier lassen sich regelmäßig die 'wahren Helden' nieder", weiß auch eine Ordnerin an der Zufahrt am "Pflanzgarten" augenzwinkernd zu berichten. Zu ihnen zählt der Stuttgarter Christoph Opitz, der seit nunmehr zwölf Jahren der besonderen Atmosphäre auf der Nordschleife verfallen ist. Diesmal ist der 30-jährige Schwabe gemeinsam mit acht Gleichgesinnten frühzeitig gen Eifel aufgebrochen, um seinen Stammplatz bei "Kilometer 18" zu beziehen.

Reichten vor zwölf Jahren noch ein einfaches Zelt und paar Kästen Bier zum Glücklichsein, gleicht die Ring-Ausstattung mittlerweile der eines gut sortierten Single-Haushalts. "Wir haben eine Polstergarnitur, einen Kühlschrank und eine Spülmaschine dabei", führt der 30-Jährige stolz durch sein Wochenenddomizil. Hinter dem hüttenähnlichen Zelt steht ein "Wurstkessel", wie der Stuttgarter den alten Kohleofen bezeichnet.

"Der ist unsere Küche und sorgt gleichzeitig dafür, dass auch die Nächte molligwarm sind", erklärt der Ringprofi. Samstag hat man eine hausgemachte Lasagne gezaubert, und am Sonntag zwölf Kilogramm Sparerips knusprig gegrillt.

Vom Konzertstress hat sich die Truppe tagsüber im eigenen Swimmingpool erholt. Und damit täglich das Wasser gewechselt werden kann, hat man einen Wassertank gleich mitgebracht. Und zwei mannshohe Boxen sorgen dafür, dass der eisgekühlte Wodka-Lemon im lauwarmen Pool bei passender Musik genossen werden kann.

Damit die 2400-Watt-Anlage ihre volle Leistung bringt, zählen gleich zwei Generatoren zum Marschgepäck. "Wir lieben die Nordschleife, die Konzerte sind mehr oder weniger angenehmes Beiwerk", versichert Christoph Opitz glaubhaft, während er mittels Fernbedienung die Musik wieder auf Partyniveau hochfährt.

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