Die Dietrich, die Leander und La Nick

Die Dietrich, die Leander und La Nick

Désirée Nick beherrscht sie perfekt, die Rolle der unnahbaren und zickigen Diva - Am Sonntag gastiert die Kabarettistin mit "Désirée Superstar - Sturzgeburt einer Legende" im Bonner Pantheon

Bonn. Nein, Vorbilder hat sie keine. Da muss Désirée Nick nicht lange überlegen. "Wie auch, Deutschland hat es versäumt, eigene Stars aufzubauen."

Zumindest bislang, denn sich selbst sieht die Berliner Kabarettistin, bescheiden wie sie nunmal ist, dann doch als Star.
Vielmehr als Superstar.

Das sagt sie, und das suggeriert auch der Titel ihres neues Bühnenprogramms - "Désirée Superstar - Sturzgeburt einer Legende" -, mit dem sie am Sonntag im Pantheon gastiert.

Legende mag dann vielleicht doch ein wenig hoch gegriffen sein. Wenngleich ihr Aufenthalt im RTL-"Dschungelcamp", insbesondere das unerschrocken verspeiste Insektendinner, durchaus legendäre Züge aufwies.

Diva gefällt der Nick selbst denn auch viel besser. "Das ist ein Attribut, das die Medien mir zugedacht haben", erklärt sie. Welches "La Nick" sich allerdings schnell zu Eigen gemacht hat.

"Es könnte ein weit härteres Schicksal geben." Und mit einmal gibt es sie doch, die Vorbilder. "Marlene Dietrich, Zarah Leander, Marika Rökk", zählt die Berlinerin auf. Und fast könnte man meinen, gleich nennt sie sich selbst.

Die Nick also auf einer Höhe mit den großen Diven. Fragt sich nur, ob diese ihre Roben auch gegen ein Dschungel-Outfit getauscht und Maden, Würmer und dergleichen verzehrt hätten...

Désirée Nick also die neue Diva der Deutschen? "Es ist sehr ungewöhnlich, dass Deutschland so etwas wie mich hervorgebracht hat."

Ihre Biografie zeichnet die 1960 in Berlin Geborene als Kämpferin aus, die unbeirrt ihren Weg gegangen ist. Balletttänzerin wollte sie werden, hat eine klassische Ausbildung absolviert. Sie tanzte im Ensemble der Deutschen Oper, wurde jedoch entlassen, weil sie mit ihren 1,78 Metern zu groß gewachsen war.

Die Nick tanzte weiter, an der Münchner Staatsoper, dann am Pariser Lido. In London absolvierte sie eine Schauspielausbildung, studierte nebenher katholische Theologie auf Lehramt.

1993 begann ihre Kabarettistinnen-Karriere mit einem ersten Soloprogramm. "Das wollte ich eigentlich nie", sagt Nick. Nicht sie sei zum Kabarett, das Kabarett sei zu ihr gekommen.

"Es ist die beste Show, die ich je gemacht habe", beschreibt die Künstlerin ihr neues Programm. Es bringe die vergangenen 15 Jahre auf den Punkt, sei die Essenz ihres bisherigen Bühnenlebens.

Kurzum: "Es ist das, was mich auf der Bühne ausmacht." Hat sich daran denn etwas verändert, seit sie im Dschungelcamp war? "Das, was ich mache, ist das Gleiche wie vorher."

Neu sei lediglich, dass sie nun auch zu 50 Prozent Bestseller-Autorin sei ("Gibt es ein Leben nach Vierzig?"). Und wieder folgt ein Superlativ: "Das Dschungelcamp war das Beste, was mir passieren konnte."

Alle haben ihr davon abgeraten, sagt sie. Doch die Nick wäre nicht die Nick, wenn sie es nicht trotzdem getan hätte. "Ich habe es riskiert, das hätte auch nach hinten losgehen können." Jetzt habe sie aber allen bewiesen: "Ich habe Charakter."

Keine Frage, Désirée Nick beherrscht ihre Rolle perfekt. Doch wo hört die Künstlerin auf, wo fängt der Privatmensch an? "Das kann man nicht trennen." Und so gibt Désirée Nick weiterhin die Diva - unnahbar und zickig.

Nur kurz wird die Fassade aus Glamour und bitterböser Satire etwas brüchig. Die Kabarettistin spendet Zeit und Geld für das soziale Wohl der Allgemeinheit. Was konkret bedeutet: "Ich engagiere mich für die Aidshilfe und die jüdische Gemeinde." Ganz uneigennützig, ganz im Stillen.

Désirée Nick: "Désirée Superstar", Pantheon, 20 Uhr, 16,50/19,50 Euro.

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