Konzert in Köln: Die Blitze der Sphinx - Tangerine Dream am Tanzbrunnen

Konzert in Köln : Die Blitze der Sphinx - Tangerine Dream am Tanzbrunnen

Meeresrauschen, Donnergrollen, Trockeneisnebel. Synthesizer-Festungen, Computer, Monitore. Die technische Ausrüstung war bei Tangerine Dream immer mindestens auf der Höhe der Zeit, oftmals ihrer Zeit voraus.

Und so sieht die Bühne im Theater am Tanzbrunnen auch aus wie die Kommandobrücke eines Raumschiffs, mit zahlreichen großformatigen Touchscreens. Drei Roadies mit Stabtaschenlampen leuchten einer Legende den Weg: Edgar Froese, der am kommenden Freitag seinen 70. Geburtstag feiert, ist alt geworden. Gebückt und wackelig nimmt einer der bedeutendsten Pioniere der elektronischen Musik mit schwarzem, ledernem Schlapphut und grauem Zopf hinter seiner Synthieburg Platz. "Odd Welcome" eröffnet ein denkwürdiges Konzert vor 800 Zuhörern im Rahmen der "Phaedra Farewell"-Welttournee .

Froese, der Tangerine Dream 1967 in West-Berlin gründete, seitdem das Mastermind der Formation geblieben ist und dabei etliche Personalwechsel innerhalb der Band erlebt hat, wird hervorragend unterstützt von seinen aktuellen musikalischen Wegbegleitern. Thorsten Quaeschning (Keyboards) setzt vor allem in den Piano-Parts eindrucksvolle Akzente, während Hoshiko Yamane (elektrische Violine und E-Cello) stimmungsreich die Leitmotive einiger Klassiker aus der legendären Virgin-Records-Ära interpretiert, wie etwa in "Logos".

Die Multi-Instrumentalistin Linda Spa verblüfft erneut auf Keyboards, Saxofon, Klarinette, Querflöte und elektrischer Zither. Herzschlag und Puls der hypnotischen Klangwelten liefert die fantastische, entfesselte Iris Camaa auf ihrem elektronischen Schlagzeug (ebenfalls Congas, Gong, Percussion Effects). Froese selbst schnallt sich wiederholt seine E-Gitarre für wohlgesetzte Soli um, wie etwa in "Hermaphrodite".

Zu den Höhepunkten dieses fesselnden Trips zählen "Sleeping Watches", die nach einer pompösen Space-Mystery-Intro in die oszillierende Werkstatt eines wahnsinnigen Uhrmachers führen und das "Mädchen auf der Treppe", das der hier schreibende Tangerine-Dream-Connaisseur felsenfest für den Klassiker "White Eagle" (vom gleichnamigen 1982er Studioalbum) gehalten hat - Überraschung, Überraschung. Keine Überraschung ist, dass Froese "Sphinx Lightning" mit knapp 20 Minuten Länge als Herzstück des Konzerts komplett kredenzt. Instrumentale, meditative Magie für die Ewigkeit. Faszinierend.