Sam Smith im Kölner Palladium: Die aktuell heißeste Stimme der europäischen Pop-Musik

Sam Smith im Kölner Palladium : Die aktuell heißeste Stimme der europäischen Pop-Musik

Kurz nach 21 Uhr, der schwere schwarze Vorhang hängt noch, die Schweinwerfer sind aus, da erstrahlt der Zuschauerraum des Kölner Palladiums bereits: Tausende Handybildschirme sind Richtung Bühne gerichtet. Dann betritt Sam Smith die Bühne, das Kreischen aus überwiegend weiblichen Kehlen schwillt an, die Smartphone-Displays werden vom warmen Bühnenlicht in den Schatten gestellt, als der vierfache Grammy-Gewinner seine ersten Zeilen des Abends singt.

Mal gefühlvoll hauchend, mal ekstatisch swingend, mal ruhig im Schatten des Pianos stehend, mal wild tanzend. Und immer den perfekten Ton treffend. Die Fans in der ausverkauften Halle bekommen das, wofür sie gekommen sind: die aktuell heißeste Stimme der europäischen Pop- und Soulmusik.

Den ersten großen Hit gibt es gleich nach wenigen Minuten, als vierten Titel. "I'm Not the Only One", Platz vier in den britischen, Platz fünf in den US-Charts. Die Handys weichen den Händen, überwiegend zumindest, um im Takt der Drums mitzugehen. Es ist eines dieser Lieder, das jeder aus dem Radio kennt und automatisch beginnt mitzugehen und verträumt den Zeilen zu lauschen, die der 22-Jährige da meist von der Liebe und all ihren schönen und schlimmen Seiten singt.

Davon lebt Smith auf der Bühne. Gerade mal zwei Jahre sind seit seinem großen Durchbruch vergangenen. Kaum ein Künstler wurde seither so vom Erfolg verfolgt, wie der junge Brite, dessen musikalische Fähigkeiten die des Entertainers bei Weiten überschreiten. Und das ist, zumindest für seine Fans an diesem Abend, auch völlig richtig so. In der Ankündigung seines zweiten großen Hits an diesem Abend formuliert er seinen Standpunkt: "Mir geht es nicht um Geld, mir geht es um die Musik, darum vor euch zu singen." Gefolgt vom passenden Song "Money on My Mind". Vielleicht ist das die Erklärung für die Ticketpreise (30 Euro), die für einen internationalen Star wie Smith angenehm erschwinglich sind.

Die zahlende Zuhörerschaft weiß das jedenfalls zu schätzen. Schlicht ist an diesem Abend an Smith einzig sein schwarzer Anzug, der Künstler selbst bietet einen 16 Titel andauernden Tauchgang in die Tiefen seiner Soul-Swing-Jazz-Popmusik. Bei Balladen erstrahlt die Bühne in Rosenrot, schluchzt Smith seinen Herzschmerz, wird das Licht eiseskalt und hell, während im Publikum junge Pärchen zu "Lay Me Down" verträumt in der Ecke sitzen und lauschen oder ältere Damen ihre Begleitung zum gemeinsamen Tanz bei "Like I Can" auffordern.

Nach 75 Minuten und als letzten Song packt Smith dann noch seinen bislang größten Hit und das Publikum ein letztes Mal die Handys aus: "Stay With Me". Bleib bei mir. Im 4000er Chor singt das Publikum mit und scheint den Grammy-Abräumer anzuflehen, genau das zu tun. Doch der muss weiter, schließlich ist er auf Welttournee. Smith geht von der Bühne, das Licht an, die Smartphones aus.

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