Ausstellung: Der Maler K.P. Kremer präsentiert sich im Kunsthaus Troisdorf

Ausstellung : Der Maler K.P. Kremer präsentiert sich im Kunsthaus Troisdorf

Eine Retrospektive zum 70. Geburtstag des Malers zeigt ab Sonntag, 12. Januar, Werke aus den Jahren 1982 bis 2013.

Schwarzarbeit", unter diesem Motto stand die erste größere Einzelausstellung, mit der sich der Siegburger K.P. Kremer 1984 dem Bonner Publikum präsentierte. Und zwar in der legendären, von Marianne und Horst Pitzen gegründeten Galerie Circulus, Heimat für konkrete und abstrakte Kunst, Keimzelle der Gesellschaft für Kunst und Gestaltung. Was er zeigte, waren unter anderem großformatige Arbeiten aus geknülltem, matt-schwarzen Seidenpapier über Nessel, die wie eine reliefartige Landschaft aus Kratern und Bergen anmuteten. Dies ist der einzige Bezug zu einem Frühwerk, das von mehr oder weniger realistischer Landschaftsmalerei geprägt war.

Für K. P. Kremer ging es in eine andere Richtung. Die Seidenpapierarbeiten wiesen den Weg. Der verlief nicht bruchlos und doch irgendwie harmonisch und nachvollziehbar, wie Kremer in seiner Retrospektive im Kunsthaus Troisdorf vor Augen führt.

Am morgigen Sonntag, einen Tag vor seinem 70. Geburtstag, eröffnet er dort einen Überblick der Jahre 1982 bis 2013. Die Seidenpapierarbeiten sind ebenso dabei, wie ein früheres Werk von 1982, bei dem zwei Tesakrepp-Streifen förmlich aus dem dunklen Fond des Bildes davonfliegen. Statik und Bewegung, kontemplative Stille und aggressiver Aufbruch, kräftige, kompakte Farbe und transparent geschichtete, oszillierende Lasur - das sind Pole, zwischen denen sich Kremers Oeuvre in den vergangenen 30 Jahren bewegte.

Er arbeite gerne in Serien, gesteht er, konzentriere sich auf ein Thema - "bis ich es satt habe". Dann wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. K. P. Kremer liebt das Experiment und arbeitet wie ein Besessener: 150 Arbeiten entstanden im vergangenen Jahr, im Jahr davor gut das Doppelte. Und immer geht es in Schritten weiter.

Seit Mitte der 80er Jahre hat er seine "Unregelmäßigen Bilder" nicht mehr gesehen, erzählt er, dessen Retrospektive also auch für ihn Überraschungen bietet: Mit unregelmäßig umrissenen, mitunter wild und auf Zeitungspapier gemalten Formaten ging er Mitte der 80er gegen das als Einengung empfundene Quadrat an.

Er bezeichnet das als "die Befreiung aus der pathetischen Form". In diesem Kontext entstand auch eine Wandarbeit aus Walzblei-Streifen, fleckigen, abgeschabten Fundstücken, die Kremer noch heute wegen ihres "schönen Graus" begeistern. Auch andere waren begeistert: 1986 bekam K. P. Kremer für diese Werkgruppen das Kunststipendium der Stadt Bonn, Kunstpreisträger war damals Werner Haypeter.

Mit formalen Experimenten hielt sich der Siegburger später zurück, sieht man einmal davon ab, dass er Quadrate "auf den Kopf stellte" - um sie "dynamisch und raumgreifend" wirken zu lassen - oder diagonale Bildteilungen ausprobierte. Seit den späten 80er Jahren steht die konzentrierte Arbeit mit der Farbe auf dem Programm: "Das Matschen mit der Farbe macht Spaß, das Malen mit dem breiten Pinsel", verrät er vor einer glühend roten Bahn aus Büttenpapier, der man ansieht, wie prall sie mit Farbe vollgesogen ist, die Kremer Schicht um Schicht aufgetragen, zum Teil dann wieder abgewaschen hat.

Die Pinselspur bleibt ebenso sichtbar wie der Malprozess mit seinen Schichtungen und Farbexperimenten. "Ich versuche auszuloten, was mit Farbe geht", erklärt der Maler und verweist auf eigens geführte Farbprotokolle, in denen jeder Schritt, jeder Ton, jede Mischung festgehalten sind. Da treffen Lila auf ein saftiges Grün, Gold auf Orange und Dunkelblau, Tusche auf Aquarell.

Seit Jahren schon beschäftigt ihn der Dialog zwischen zwei unterschiedlichen Farbhälften: Da gibt es Harmonien und Dissonanzen, es entstehen Reibungen, manches Paar funktioniert überhaupt nicht. Wo und wie es für ihn weitergeht, deutet K. P. Kremer nur an: Kürzlich entstand ein fast monochromes Bild in einer satten Petrolfarbe, das von den deutlich sichtbaren vertikalen und horizontalen Pinselspuren lebt. "Das interessiert mich gerade".

Kunsthaus Troisdorf, Mülheimer Straße 23; bis 9. Februar. Mi 17-19, Sa, So 15-18 Uhr. Eröffnung: Sonntag, 14.30 Uhr