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Black Sabbath Abschiedskonzert in Köln: Der Fürst der Finsternis sagt „Good bye“

Black Sabbath Abschiedskonzert in Köln : Der Fürst der Finsternis sagt „Good bye“

Black Sabbath und ihr charismatischer Frontmann Ozzy Osbourne spielten am Dienstagabend in der Lanxess-Arena ihr letztes Deutschlandkonzert.

Auf diesen Augenblick haben viele deutsche Heavy Metal-Fans lange gewartet: Auf drei riesigen Leinwänden an der Decke der Lanxess-Arena in Köln begann am Dienstagabend eine computeranimierte Kamerafahrt durch eine postapokalyptische Einöde. Sie zeigt eine zerstörte Stadt, zieht vorbei an brennenden Hochhäusern und endet in den Trümmern eines Kellers. Dort steht ein pulsierendes Ei, aus dem sich Luzifer höchstpersönlich herausschält. Dann ertönen die Schläge einer Kirchenglocke, die jäh von einem schwermütigen Gitarrenriff zerrissen werden.

In diesem Moment brach im Publikum frenetischer Jubel aus. Denn die filmisch dargestellte Geburt des Dämons markierte gleichzeitig auch das Ende einer Legende und den Beginn des letzten Deutschlandkonzerts der Metal-Pioniere von Black Sabbath. Nach über vierzig Jahren Bandgeschichte und 19 Alben hängen die Gründungsmitglieder Ozzy Osbourne, Tony Iommi und Geezer Butler nämlich ihre gemeinsame Karriere an den Nagel.

Episches Best-of

Doch bevor sich die britischen Altmeister ein letztes Mal auf einer deutschen Bühne die Ehre gaben, hatten die Kalifornier von Rival Sons die denkbar schwere Aufgabe zu bewältigen, das rund 15.000 Fans starke Publikum anzuheizen. Die Amerikaner starteten souverän. Doch die statische Performance der Band, gepaart mit einem höhenlastigen und gleichzeitig aber dumpfen Sound, brachte der Truppe um Sänger Jay Buchanan nur mäßigen Applaus ein. Nach etwa 45 Minuten verließ die Band sichtlich erleichtert die Bühne der Arena und machte Platz für den selbsternannten „Fürst der Finsternis“ und seine Begleiter.

Nach ihrem Video-Intro begrüßten Black Sabbath ihre Fans mit dem selbst betitelte Stück ihres 1970 aufgenommenen Debutalbums und zündeten damit ein Hit-Feuerwerk der Extraklasse. Fast zwei Stunden lang verwöhnten sie das Publikum mit einer Best-of Kompilation ihrer Karriere. So standen neben Klassikern wie „War Pigs“, „Iron Man“ und „Dirty Women“ auch „Fairies Wear Boots“ und „Children of the Grave“ auf der Liste. Dabei lieferten die sichtlich gealterten und teilweise von Krankheiten sowie Drogenexzessen gezeichneten Musiker eine fast schon epische Darbietung ab, die den Zuschauern an manchen Stellen wohlige Schauer über den Rücken jagten.

Drummer Bill Ward fehlte den Fans

Während Frontmann Ozzy Osbourne zwischen seinen Gesangsparts immer wieder energisch von einer Seite der Bühne zur anderen lief und das Publikum animierte, spielte Gitarrist Tony Iommi die altbekannten Riffs – fehlerfrei und offensichtlich leidenschaftlich. Daneben röhrte der holzig klingende Bass von Geezer Butler. Der Sound war authentisch, Osbournes Stimme kam gut durch und auch von ihm waren kaum schiefe Töne zu hören. Doch um dem Event die sprichwörtliche Kirsche auf dem Sahnehäubchen aufsetzen zu können, fehlte dann doch etwas. Oder besser: jemand.

Nämlich der Schlagzeuger der Originalbesetzung, Bill Ward. Dieser nahm wegen Streitigkeiten mit der Band nicht an der Abschiedstournee teil. Sein Ersatz Tommy Clufetos, der auch schon mit Ted Nugent und Alice Cooper auf der Bühne stand, bewies zwar mit einer soliden Begleitung und einem zehnminütigen Schlagzeugsolo sein Können, jedoch fehlte seinem Spiel die nach Jazz klingende Leichtigkeit, die Ward seinerzeit an den Tag legte. Alles in allem legten Black Sabbath an diesem Abend dennoch einen würdigen Abschluss hin. Mit „Paranoid“ verabschiedeten sie sich ein für alle Mal von ihren Fans auf dem europäischen Festland. Am 4. Februar fällt in Birmingham dann endgültig der Vorhang.

„Bei manchen Stücken musste ich weinen“

Nach dem Konzert traf man so manchen Besucher bei den Fanartikel-Ständen an, die unter anderem signierte Tonträger der Band für 90 Euro anboten. Auch der 60 Jahre alte Andreas Winkelmann aus Gevelsberg war dort. Er ist Black-Sabbath-Jünger der ersten Stunde. „Ich habe meine erste Platte mit 17 Jahren gekauft und bin seither vom Sound der Band infiziert“, sagte er. Dass die Idole seiner Jugend nun aufhören, findet er schade. Wie auch Ioannis Athanasiadis aus Düsseldorf. Der 23-Jährige beweist, dass Black Sabbath nicht nur etwas für Altrocker sind. „Die Musik habe ich durch meinen Vater kennengelernt“, erzählte er. „Bei manchen Stücken musste ich daher sogar weinen, weil sie mich an alte Zeiten erinnerten.“