Premiere des Fringe Ensembles: Der doppelte Grundton

Premiere des Fringe Ensembles : Der doppelte Grundton

Das Stück „Drones“ des Fringe Ensembles führt im Theater im Ballsaal Musik und Politik zusammen. Premiere ist am 13. Oktober.

Der Aufbau an der Wand des Ballsaals erinnert an einen Leitstand; mit all den Monitoren und Tastaturen. Aber was haben die Liegestühle zu bedeuten, die im Halbkreis darum stehen? Oder die Leinwände oben an der Decke, die den Blick aus einem Flugzeug auf die Landschaft darunter zeigen? Und was versteht man unter einer „Drohnenoper“, die am 13. Oktober Premiere im Theater im Ballsaal feiert?

Der Komponist, Arrangeur und Multiinstrumentalist Gregor Schwellenbach, der dort nach „Zucker“ und „Arbeitsschlachten“ mit „Drones“ nun sein drittes Stück Musiktheater mit dem Fringe Ensemble zeigt, kann alles erklären: „Der Begriff Drohne steht sowohl für unbemannte Luftfahrzeuge, deren militärischer Einsatz gerade kontrovers diskutiert wird, aber auch für ein musikalisches Genre, das von einem durchgehenden Grundton dominiert wird.“

Erfunden wurde „Drone Music“ in den 1960er Jahren von dem US-amerikanischen Minimal-Komponisten La Monte Young, bevor auch John Cale und Velvet Underground sich davon inspirieren ließen. Dass die Ursprünge dieser experimentellen Klänge bis ins sechste Jahrhundert zurückreichen, nach Indien und Byzanz, sowie auf das Europäische Organum – die erste abendländische Mehrstimmigkeit aus dem neunten bis elften Jahrhundert – verweisen, dürfte auch eine Rolle dabei spielen, dass diese Musik eine solch kontemplative, eindringliche Wirkung ausübt.

„Wobei durchaus auch eine gewisse Bedrohung anklingt“, wie Schwellenbach hinzufügt und damit die Brücke zur Politik schlägt. So wie es das Textstück tut, das der Bonner Autor Lothar Kittstein ursprünglich für das Projekt „Vor den Hunden“ geschrieben hatte und das den Gewissenskonflikt eines Drohnenpiloten in seinem künstlichen und lautlosen Container zeigt; beim Anflug auf ein Hochzeitsfest, irgendwo in Afghanistan, in Syrien oder dem Irak. Bausteine Nummer drei und vier sind Zitate aus einer aktuellen Stunde des Bundestags zum Thema „Drohnen“ und Videoprojektionen über den Köpfen der Zuschauer.

Das Stück, so Schwellenbach, gebe keine Richtung vor. Es schaffe vielmehr einen akustischen Raum, um selbst darüber nachzudenken. Den Ton dazu geben mit Justine Hauer, Andreas Meidinger und Manuel Klein drei Schauspieler an, die zudem auch selbst Musiker sind – mit Bass und Gitarren, mit Orgel und Loop-Maschinen.

Drones: Fringe Ensemble, Theater im Ballsaal, Frongasse 9, 13. bis 15. sowie 21. und 22. Oktober, 20 Uhr, (0228) 79 79 01

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