Studenten der Alanus Hochschule: Der Blick unter den Tellerrand

Studenten der Alanus Hochschule : Der Blick unter den Tellerrand

Was würden Sie tun, wenn Sie völlig unerwartet ein Päckchen mit einem kleinen Kunstwerk zugeschickt bekämen und die Absenderin - eine Ihnen unbekannte Frau - erklärt, dies sei ein Geschenk und sie erbitte sich nur ein Foto vom Aufstellungsort des zugesandten Werkes?

Eine Antwort auf diese Frage mussten bislang 75 Menschen finden, denn genauso viele Bilder hat die Künstlerin Hannah Bielecki in alle Welt verschickt, unter anderem nach England, Kanada und Australien. Die Adressaten fand sie, ohne Näheres über die Personen zu wissen, aus allgemein zugänglichen Quellen.

Insgesamt 35 Antworten erhielt sie bisher, manche davon ausführlich, manche kurz, mit oder ohne Foto. In Form einer Dokumentation zeigt Hannah Bielecki nun die Ergebnisse ihres Projektes, in dem nicht das Kunstwerk selbst, sondern der Umgang damit im Fokus steht. "Unter dem Tellerrand" heißt die Ausstellung im Frauenmuseum, die durch eine Kooperation mit der Alanus Hochschule zustande gekommen ist. Neun weitere Kunststudenten wagen dort den Blick unter den Tellerrand, der nicht selten Einblicke auf Verborgenes oder Tabuzonen aus ihren Herkunftsländern gibt.

So erzählt Yi-An Chien von Geistern in ihrer Heimat Taiwan und macht den Betrachter zum Voyeur, indem sie ihn unter überdimensionierte Reifröcke schauen lässt. Fidan Akhundova aus Aserbaidschan modelliert Frauenkörper aus Wachs und bringt sie in überraschende Positionen. Ziting Huang, geboren in China, hat in seinem Zeichentrickfilm "The Lodge" eine Metapher für das Leben als Behausung gefunden, in dem sich Fenster und Türen, sprich Gelegenheiten, permanent öffnen und schließen. Und die türkische Künstlerin Seyda Kinaci setzt in schwarz-weißen Collagen ihre Eindrücke um, die sie im Projekt "Mitgift" in Bonn Tannenbusch sammelte.

Dort sprach sie mit türkischen Migrantinnen über das Thema Aussteuer und erfuhr dabei einiges über die Erfahrungen, Hoffnungen und Enttäuschungen der jungen Bräute.

Frauenmuseum, Im Krausfeld 10; bis 31. Januar, Di-Sa 14-18, So 11-18 Uhr.

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