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"Liberace" im Kino: Das perfekte Klischee

"Liberace" im Kino : Das perfekte Klischee

Es kommt auf die Würde an. Denn ganz leicht hätte man diesen Liberace auch als fiese alte Tunte darstellen können. Doch dem frisch mit dem Emmy-gekürten Michael Douglas gelingt in "Liberace - zu viel des Guten ist wundervoll" das Kunststück, auf einem schmalen, geradezu hauchdünnen Grat zu agieren - so dass man seinen Liberace liebt, obwohl der sich nicht immer liebenswert verhält.

Die Geschichte, die Regisseur Steven Soderbergh erzählt, beginnt 1977: Liberace ist eine Ikone der US-Unterhaltungsindustrie, auch wenn vielleicht seine ganz großen Zeiten hinter ihm liegen, füllt er in Las Vegas immer noch die Hallen - und lebt ein geradezu prunkvolles Leben: Luxusvillen, in denen es nur funkelt und glitzert, den 58-jährigen Körper behangen mit riesigen Klunkern, gehüllt in extravagante Kleidung, allen voran die üppigsten Pelzmäntel.

Das perfekte Klischee einer Schwuchtel - woran sich aber trotz Getuschel in den USA niemand zu stören schien. PR-Geschichten über angebliche Frauengeschichten halfen da sicher, vor dem allzu Offensichtlichen die Augen zu verschließen.

In jenem Jahr 1977 also taucht Scott Thorson (Matt Damon) in Liberaces Leben auf - und wird zu seiner großen Liebe. Eine Liebe, die irgendwann bizarre Formen annimmt, wenn Liberace aus Scott per Schönheitsoperation ein jüngeres Abbild seiner selbst zu schaffen versucht. Und der junge Mann nimmt alles an, macht alles mit - bis eines Tages ein jüngerer Mann die Bühne betritt und er abserviert wird.

Am Ende einer Schlammschlacht, die jedem Rosenkrieg einer heterosexuellen Scheidung das Wasser reichen kann, steht er als Verlierer da. Bis zur Versöhnung am Totenbett, als Liberace 1987 an den Folgen von Aids stirbt.

Soderberghs Film basiert auf der gleichnamigen Autobiografie von Scott Thorson - und der ist, sagen wir mal, nicht der vertrauenerweckendste Zeitzeuge. So wurde er mehrfach wegen Diebstahls, Drogenmissbrauchs und Kreditkartenbetrugs angeklagt und saß auch im Gefängnis. Zuletzt machte er Schlagzeilen, als er behauptete, auch der Geliebte von Michael Jackson gewesen zu sein.

Und so ist auch der Film geprägt von seinem Schlüssellochcharakter - und als Deutscher erhascht man einen Blick auf das Privatleben eines Promis, der im hiesigen Showgeschäft keine wirkliche Rolle gespielt hat. Das andere Manko wiegt schwerer: Man sieht dem Film auf Strecke an, dass der Auftraggeber der US-TV-Sender HBO ist - man bekommt keine Kinobilder zu sehen, auf der großen Leinwand bleibt das meist nur aufgeblasenes Fernsehen.

Dennoch: Michael Douglas und die prominent besetzten Nebenrollen - von Debbie Reynolds als Mutter bis Rob Lowe als Schönheitschirurg - sind allemal den Kinobesuch wert!

Der Film läuft in Bonn im Kinopolis und in der neuen Filmbühne.