Bonner Stummfilmtage im Arkadenhof: Das Festival geht auf große Reise

Bonner Stummfilmtage im Arkadenhof : Das Festival geht auf große Reise

Nicht, dass die Initiatoren der Internationalen Stummfilmtage das so geplant hätten: Doch manchmal holt die Politik das Programm ein, das Sigrid Limprecht - Leiterin der Beueler Kinemathek in der Brotfabrik und Vorsitzende des Fördervereins Filmkultur Bonn - gemeinsam mit Kurator Stefan Drößler, dem Leiter des Filmmuseums München, zusammenstellt.

Von Film zu Film können dabei gut und gern einmal ein paar Jahre ins Land gehen. Jahre, in denen zum Beispiel das ukrainische Bürgerkriegsdrama "Zwei Tage" (Dva Dni) aus dem Jahr 1927 an Aktualität gewonnen hat. Am Samstag, 15. August, ist der Film im Arkadenhof der Bonner Universität zu sehen. Am 6. August beginnt dort das 31. Bonner Sommerkino mit insgesamt 22 Aufführungen in elf Tagen; mit Komödien und Tragödien, Dokumentarfilmen und mit Kammerspielen wie "Zwei Tage".

Die Geschichte: Eine Einheit der Roten Armee nimmt den Wohnsitz einer adligen Familie ein. Der, der sie anführt, ist - Zufall oder auch nicht - ausgerechnet der Sohn des Hausmeisters. Als dann noch der Sohn der Hausbesitzer auf der Bildfläche erscheint, spitzt sich die Lage zu. Und es scheint nur noch einen Ausweg zu geben. "Zwei Tage" führte die Programmmacher nach Russland. "Unsere Kollegen in der Ukraine glauben, dass das Filmmaterial derzeit dort einfach sicherer ist", erklärt Limprecht.

Sicher ist, dass das Stummfilmfestival auch in diesem Jahr keinen Eintritt kosten wird und dass es sich um ein Festival handelt, das als solches einen festen Platz im Bonner Kalender (und Etat) hat.

Neben Russland und der Ukraine rückt diesmal auch Griechenland in den Fokus: "Die Abenteuer des Villar" (I Peripeties Tou Villar, 1926) von Joseph Hepp führen die Zuschauer am 9. August kreuz und quer durch Athen. Gefolgt von einer echten Rarität: "Die Beute des Windes" (La Proie Du Vent, 1927) ist das einzig noch erhaltene Werk des französischen Regisseurs René Clair und erzählt von einem Piloten, den eine Notlandung dazu zwingt, in einem tschechischen Schloss Quartier zu nehmen. Der Beginn einer mysteriösen Geschichte, wie sie auch David Lynch erzählen könnte.

Der männliche Leinwandstar 2015 im Arkadenhof heißt Buster Keaton. In "Busters Bunte Bühne" (The Playhouse, USA/1921) zeigt er am 10. August einmal mehr, was es heißt, rücksichtlos zu sich selbst zu sein, um das Publikum für sich zu gewinnen. Dem Zeitgeist weit voraus weist am 13. August der schwedische Film "Weibliche Junggesellen" (Norrtullsligan, 1923) um vier emanzipierte Frauen, die in keine Schublade passen.

Ganz andere Sorgen hat am 14. August Ruan Lingyu - den Bonner Stummfilmfreunden noch aus der 2014 gezeigten "Göttin" bekannt - in "Liebe und Pflicht". Der taiwanesische Film aus dem Jahr 1931 spiegelt ganz nebenbei, zu welcher Perfektion in Schauspielkunst, Ausstattung und Technik es der Stummfilm seinerzeit gebracht hatte.

Das gesamte Programm ist demnächst im Internet abrufbar: internationale-stummfilmtage.de

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