Das "Dornröschenwunder" des Dichters

Das "Dornröschenwunder" des Dichters

Der Förderkreis der Oberen Burg in Rheinbreitbach beschäftigt sich mit dem Poeten Rudolf Herzog und seinen illustren Besuchern - Enkel in den USA übersendet wichtiges Gästebuch

Rheinbreitbach. Noch hat sie keinen festen Platz in der Oberen Burg gefunden, die neueste Errungenschaft des Förderkreises, die von Frieda Classen geschnitzte Holzbüste des Dichters Rudolf Herzog (1869-1943). "Früher hat sie im Damenzimmer gestanden und muss damit ein besonderes Geschenk des Dichters an seine Burgherrin gewesen sein", sagt der Vorsitzende des Förderkreises, Dietmar Ackermann, in der Kapelle der Burg.

Als Leihgabe hat sie der Heimatverein für die Obere Burg abgetreten. "Wie sie in den Besitz des Heimatvereins gekommen ist, konnte mir bisher niemand sagen. Einig sind wir uns jedoch im Vorstand, dass sie an ihren früheren Bestimmungsort zurückkehren soll", fügt die 2. Vorsitzende Christine Zimmermann hinzu.

Beide Vereine hatten in der Vergangenheit Herzog-Dokumente und -Bilder, seine Bücher und Kunstwerke gesammelt. "Es ist aber sinnvoller, alles, was den berühmtesten Rheinbreitbacher betrifft, an dem Ort zusammenzutragen, an dem er immerhin 35 Jahre gelebt hat", begründet Christine Zimmermann den Entschluss des Heimatsvereins, seine Sammlung in die Obere Burg zu geben.

Nur von dem Schreiben Kaiser Wilhelms an seinen ihm treu ergebenen Monarchisten, der sogar die zweite Frau des Kaisers auf seiner "Burg" als Gast empfangen durfte, wird sich der Heimatverein nicht trennen. Aber der Förderkreis hat auch so wertvolle Erinnerungsstücke an den Dichter, der 1907 sein Domizil in Rheinbreitbach bezogen hatte. Etwa das erste Gästebuch aus der Oberen Burg vom Juni 1908 bis 1915.

"Das hat uns die vor zwei Jahren verstorbene Herzog-Tochter Sieglinde Martin überlassen. Ein zweites bekommen wir demnächst als Leihgabe von Joachim Bechtle, dem Enkel des Dichters, der in den USA lebt", berichtet Karsten Keune.

Er ist dabei, in den Räumen der Oberen Burg eine Ausstellung unter dem Arbeitstitel "Gäste in der Oberen Burg" mit Ansichten, Gemälden und Kunstgegenständen aus der Geschichte des Gebäudes vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart vorzubereiten.

Im Mittelpunkt steht natürlich Herzog, der mit seinem Roman "Die Burgkinder" dem Gebäude wie dem Ort ein Denkmal gesetzt hat. Während seiner Lehrzeit in einer Düsseldorfer Apotheke hatte der 1869 in Wuppertal-Barmen geborene Herzog junge Künstler des "Malkastens" kennengelernt und als Kunstliebhaber und begeisterter -sammler diesen Kontakt mit Künstlern bis ins hohe Alter aufrecht erhalten.

So finden sich in seinem Gästebuch Zeichnungen von Franz von Wille und Max Klein von Diepold.

Der bekannte Eifelmaler von Wille hat auch ein berühmtes Aquarell von der Oberen Burg gemalt.

Wo es sich heute befindet, ist nicht bekannt. Bewundern kann man die Arbeit des Malers nur noch als Postkarte.

"Herzog hat seinen Kindern jeweils ein Fotoalbum von der Oberen Burg geschenkt, von denen eins in unserem Besitz ist", berichtet Ackermann.

Von daher weiß man genau, mit welchen Kunstschätzen der Dichter sein "Dornröschenwunder" voll gestopft hat, wie er die Burg mit dem verwunschenen Park nannte.

Wo heute Bürgermeisterin Ulrike Jossen über Akten brütet, saß Herzog neben einem großen Bärenfell und dichtete, wenn es ihn nicht zu seiner Klause am Rhein, einem Tempelchen, zog. Von diesem steht heute in der Nähe des Campingplatzes nur noch die Grundmauer.

Auch eine Fotografie der von Rosen umgebenen Frauenstatue des bekannten deutschen Bildhauers Fritz Klimsch ist in dem Album zu sehen. "Für gerade mal lächerliche 1 000 Mark ist sie Anfang der 50er Jahre versteigert worden, wie aus der Inventarliste zu ersehen ist, die in unserem Besitz ist", sagt Keune.

Hunderte von Kunstschätzen kamen damals unter den Hammer, darunter Aquarelle von Turner oder "Die Liebenden" des Bildhauers Boue. "Die konnten wir vor einigen Wochen von einer Bad Honnefer Familie erwerben", berichtet Ackermann stolz.

Es müssten sich noch einige Kunstwerke aus dem Herzog-Nachlass in der näheren Umgebung befinden, mutmaßt er. "Diese Familien, aber auch jeden, der alte Ansichten von der Oberen Burg besitzt, bitten wir, sich mit uns in Verbindung zu setzen, damit wir eine möglichst umfassende Ausstellung auf die Beine stellen können", wendet sich Keune an die Öffentlichkeit um Unterstützung.

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