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Jazzfest in Bonn: Das bietet das Programm 2017

Jazzfest in Bonn : Das bietet das Programm 2017

Stars und Entdeckungen beim kommenden Jazzfest Bonn. Das Programm 2017 hat viel zu bieten: Brad Mehldau kommt, außerdem Rebekka Bakken, Viktoria Tolstoy, die WDR Big Band und viele andere,

Zum achten Mal begibt sich Peter Materna auf die Gratwanderung zwischen experimentellem Jazz und populäreren Klängen, zwischen großen Namen und Entdeckungen. „Ich will nicht nur Hardcore-Jazz bieten, sondern auch Musik, die mehr Menschen in unser Boot holt“, sagte er gestern bei der Vorstellung des Programms für das Jazzfest Bonn 2017 (12.-27. Mai) und betonte: „Aber in der Qualität gibt es keine Zugeständnisse.“

Er will mit seinem Festival eigentlich nicht weiter wachsen – „Die Locations dürfen nicht zu groß werden, die Musik muss erlebbar bleiben“, lautet sein Credo. Im kommenden Jahr gibt es aber ein Konzert mehr als 2016 und eine neue Spielstätte: Die Oper, in der sich der Star des Festivals, Jazzpianist Brad Mehldau, mit seinen wunderbaren Trio präsentieren wird. Und weil sich Mehldau eine ganz besondere Dramaturgie ausgedacht habe, so Materna, bekomme er die Oper alleine (22. Mai), es werde also eine Ausnahme von der Regel der Doppelkonzerte geben.

Eine äußerst reizvolle und bislang bewährte Konzeption, die im Laufe der sieben vergangenen Festivals immer wieder für Überraschungen sorgte. Gleich am ersten Abend (12. Mai) wird es zu einem spannenden Doppel kommen: Die Filmschauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabai wird mit ihrer souligen Stimme und dem exzellenten Quartett des Saxofonisten David Klein auf das Urgestein der Szene treffen, die zwischen Jazz und Rap oszillierende Jazzkantine mit zehn umwerfenden Musikern.

Stars der skandinavischen Jazzszene

Auf einen Abend mit eher populärer Musik folgt Konzeptuelles: Bob Minzer und Mike Mainieri lassen mit der WDR Big Band die Musik der legendären Fusion-Band „Steps Ahead“ auferstehen, während die Sängerin China Moses, ein echtes Bühnentier, als Entertainerin mit souliger Stimme mutmaßlich ihrer Mutter Dee Dee Bridgewater alle Ehre machen will (13. Mai).

Das Jazzfest 2017 wird, das kann man jetzt schon sagen, ein Festival der herrlichen Stimmen, in erster Linie Frauenstimmen in großer Bandbreite. Auf Jasmin Tabatabai und China Moses folgen zwei Stars der skandinavischen Jazzszene, Rebekka Bakken (14. Mai), die beim allerersten Jazzfest schon zu hören war, und die virtuos zwischen Jazz und Pop wechselnde Viktoria Tolstoy, Ur-Urenkelin des berühmten Leo Tolstoi (18. Mai). Als weitere Stimmen wird man die hinreißende Paula Morelenbaum mit ihrem Bossa-Nova-Programm hören, begleitet von Trompete und Piano (21. Mai).

Die früher einmal mit dem Bundesjazzorchester zum Festival eingeladene Kölnerin Laura Totenhagen kommt nun mit eigenem Programm und Quartett nach Bonn (26. Mai). Eine ganz besondere Stimme – und auch sie eine Entdeckung – schließt das imposante Spektrum: Die Norwegerin Ellen Andrea Wang, die man gerade als Bassistin von Manu Katché beim Beethovenfest bewundern konnte, präsentiert sich außerdem als durchaus aggressive und fantasievolle Sängerin sowie sehr begabte Komponistin (27. Mai).

Finale mit Wang und Neset

Wang bestreitet das Finale in der Bundeskunsthalle, Teil zwei des Konzerts gehört ihrem überragenden Landsmann Marius Neset, einem der ganz großen Tenorsaxofonisten der Gegenwart. „Der ist wie ein Komet durch die Decke gegangen und auf dem Weg zu Superstar“, schwärmt Materna. Und er weiß, was er sagt. Er ist selbst Saxofonist. Man darf sich auf furioses Spiel und atemberaubende Improvisationen freuen. Sicherlich ein Feuerwerk zum Abschluss.

Das Festival hat auch das stillere, konzentrierte Kammerspiel zu bieten: Etwa das Trio des Pianisten Omer Klein (26. Mai) und das von italienischer Folklore angehauchte Duo Rita Marcotulli & Luciano Biondini (Piano, Akkordeon), das am 25. Mai mit der hochinteressanten, durchaus dem Pop zugetanen britischen Formation Neil Cowley Trio zu hören sein wird. Der Bogen zur Klassik wird – wo sonst – am 24. Mai im Kammermusiksaal geschlagen: Die Pianistin Olivia Trummer und Jean-Lou Treboux am Vibraphon nähern sich Mozart, Bach und Scarlatti jazzig an, während der Jazz-Saxofonist Roger Hanschel zusammen mit dem klassischen Auryn Quartett musiziert. Ein Leckerbissen wird das Soloprogramm der Pianistin Julia Kadel sein (21. Mai).

Mit Christopher Dell und Heiner Schmitz' „Organic Underground“ am 19. Mai, tags drauf mit Kurt Rosenwinkel und „Hildegard Lernt Fliegen“ sowie mit dem Elektrosound von Niels Klein (14. Mai) wird's experimentell, mit John Patitucci am E-Bass (18. Mai) nostalgisch: Es geht ins New York der 1960er. Für jeden etwas, auch das eine Devise von Materna. Rund 6000 Karten stehen ab 1. Dezember zum Verkauf.

Informationen: www.jazzfest-bonn.de. Karten bei bonnticket