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Coronavirus in Bonn: Beethoven-Jubiläum wegen Corona verlängert

BTHVN 2020 : Beethoven-Jubiläum in Bonn wegen Corona verlängert

Das Beethoven-Jubiläumsjahr „BTHVN 2020“ wird aufgrund der Corona-Pandemie verlängert. Die Feierlichkeiten sollen nicht im kommenden Dezember enden, sondern bis September 2021 andauern.

Seit der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie am 23. März in Kraft getreten ist, liegt das öffentliche kulturelle Leben im Lande am Boden. Dass die Pandemie just in die Zeit des Beethoven-Jubiläums fällt, trifft die vielen Musiker, Künstler, Organisatoren und Helfer in Bonn und der Region natürlich besonders hart. Viele haben sich über Monate und Jahre darauf vorbereitet, Beethovens 250. Geburtstag zu feiern, und befürchten nun, die Früchte ihrer Arbeit nicht ernten zu können.

Mit dem Beschluss des Aufsichtsrats der Beethoven-Jubiläumsgesellschaft von diesem Freitag, der vorsieht, das Jubiläumsjahr bis einschließlich September 2021 zu verlängern, dürfte nun wieder Hoffnung keimen, dass viele der teils ehrgeizigen Vorhaben nun doch noch verwirklicht werden können. Malte Boecker, Künstlerischer Geschäftsführer der Beethovengesellschaft, sprach jedenfalls von einem „positiven Signal“. Denn der Beschluss bedeute, „dass wir auch den Förderzeitraum verlängern“. Nun sei gesichert, dass die Förderzusagen über das eigentliche Jubiläumsjahr 2020 Gültigkeit behielten und Veranstaltungen, die auf 2021 verschoben werden mussten oder müssen, weiterhin mit den Geldern der Jubiläumsgesellschaft rechnen können.

Födersumme von 30 Millionen Euro bleibt unangetastet

Auch soll die Gesamtfördersumme von 30 Millionen Euro, die der Jubiläumsgesellschaft aus Mitteln von Bund, Land Stadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis zur Verfügung steht, nicht angetastet werden. Das sagte der Kaufmännische Geschäftsführer Ralf Birkner auf Anfrage. In dieser Frage sei man sich im Aufsichtsrat, der sich am Freitag in einer außerplanmäßigen Sondersitzung per Telefonkonferenz zusammengeschaltet hatte, einig gewesen. Das bestätigte auch Günter Winands, Amtschef bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und Aufsichtsratsvorsitzender der Beethoven Jubiläums GmbH, in einem nach der Sitzung veröffentllichten Schreiben. Darin heißt es: „Als deutliches Zeichen einer Wertschätzung für Ludwig van Beethoven und für die Bedeutung der Kultur generell haben wir uns heute einhellig für eine Verlängerung des Jubiläums entschieden. Es ist uns ein großes Anliegen, dass möglichst viele der bisher geplanten Projekte realisiert werden können. Wir möchten hierdurch vor allem allen Akteurinnen und Akteuren des Jubiläums die Chance bieten, ihr Programm, in das viel Kreativität, Zeit und Mühe geflossen ist, auch zu präsentieren“.

Aufatmen kann zum Beispiel der Bonner Konzertveranstalter Ernst Ludwig Hartz, der für das Frühjahr etliche Open-Air-Events mit großen Stars geplant hatte, die er zunächst in den August verlegte und mit denen er nun, nachdem diese Termine aufgrund der jüngsten Verlängerung des Verbots von Großveranstaltungen auch nicht mehr zu halten waren, auf das kommende Jahr ausweichen musste. Hartz: „Wir begrüßen die Verlängerung des Beethovenjubiläums in das kommende Jahr sehr, das ist die richtige Entscheidung! So können viele der  geplanten Projekte in 2021 stattfinden! Wir arbeiten gerade mit Hochdruck daran, unsere Konzerte auf der Hofgartenwiese mit Kraftwerk, den Fantastischen Vier und Robbie Williams auf Ende Mai/Anfang Juni zu verlegen.“

Kaftan: „Wir freuen uns über die Entscheidung“

In einem laufenden Theaterbetrieb ist es natürlich schwieriger, Produktionen in die nächste Saison hinüberzuretten. Die ist zum jetzigen Zeitpunkt schon engmaschig verplant. Beim Theater Bonn gibt man sich in einer Bewertung der neuen Situation noch zurückhaltend. „Leider können wird noch nichts sagen“, teilte Theatersprecherin Feliciatas Weber mit, „da bei uns derzeit noch alles im Fluss und noch nicht absehbar ist, was sich realisieren lässt und was nicht.“ Das Theater Bonn hatte am diesem Freitag erst das vorzeitige Ende der Spielzeit bekannt geben müssen. Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan begrüßt die Entscheidung: „Wir freuen uns darüber und prüfen gerade, welche Projekte wir im kommenden Jahr verwirklichen können.“ Etwas verhaltener gibt sich das Beethovenfest, wo Anfang nächsten Jahres ein neuer Intendant seine Geschäfte aufnehmen soll. In einem knappen Statement heißt es: „Die Beethovenfeste Bonn gGmbH freut sich über die Entscheidung von BTHVN2020 und bezieht die Konseqenzen dieser Entscheidung in alle aktuellen Überlegungen ein.“

 Die Jubiläumsgesellschaft hat ihre Förderpartner bereits darüber informiert, dass sie mit der Jubiläumsgesellschaft für die weitere Planung in Kontakt treten können. „Da werden die Förderverträge jetzt angepasst“, sagte Birkner. Allerdings lassen sich nicht alle Veranstaltungen retten, manche wurden bereits komplett abgesagt, wie die März-Ausgabe des Beethovenfests. In diesem Fall gilt laut Birkner dass „die angefallenen und plausibiliersierbaren Kosten übernommen werden“. Insgesamt seien bislang 16 Projekte komplett abgesagt worden.

Der Anspruch bleibt

Von dem Beschluss erhofft sich Boecker, die Zahl der Absagen zu minimieren und die Grundidee am Leben zu halten. “Wir wollten mit diesem Jubiläumsjahr die Möglichkeit bieten, dass die Menschen Beethoven für sich neu entdecken können. Das bleibt vom Anspruch her unverändert erhalten. Und da versuchen wir nun, das Fenster zu öffnen und eine angepasste Planung ermöglichen.“

Das gilt natürlich auch für die Eigenprojekte von BTHVN2020. Stark gefährdet ist etwa das in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Musikrat geplante Projekt einer Aufführung von Beethovens neunter Sinfnie und des neuen Werks des chinesischen Komponisten Tan Dun „Nine“, das am 8. August unter Leitung Tan Duns in Bonn uraufgeführt und von hier aus auf Tour gehen sollte. „Wir hatten einen sehr guten Vorverkauf, so dass es unter die Kategorie Großveranstaltung fällt“, sagte Boecker. „Auch da werden wir entsprechend reagieren müssen.“

Die Verlängerung bedeutet jedoch nicht, dass durch Absagen frei gewordene Mittel in neue Projekte fließen könnten. „Unser oberstes Ziel ist es, die bereits bewilligten Projekte am Laufen zu halten“, sagt Boecker. „Über Neuprojekte ist jetzt nicht gesprochen worden.“ Eine Prognose, ob und wie viel Geld der Gesamtfördersumme am Ende übrigbleiben wird, wagt die Gesellschaft bislang noch nicht. Man müsse auch die Mehrkosten berücksichtigen, die entstehen, um die operative Handlungsfähigkeit der Jubiläumsgesellschaft zu erhalten,  so Birkner. „Aber wir können in der Verwaltung relativ schlank bleiben.“ Mit Mehrkosten rechnet Birkner durch die Verlängerung nicht. Und eine durch die neue Situation bedingte Erhöhung der Fördermittel sei durch die Geldgeber der öffentlichen Hand auch nicht vorgesehen.

An einem Termin wird indes nicht gerüttelt. Das Konzertfinale des Beethovenjahres am 17. Dezember im Bonner Opernhaus mit dem West-Eastern Divan Orchestra unter Leitung von Daniel Barenboim. Nur dass es jetzt nicht Abschluss ist, sondern zum Brückenkopf in die Verlängerung wird.