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Corona-Krise: Veranstaltungsverbote für Clubs in Bonn und Siegburg

Konzertveranstalter : Das bedeuten Veranstaltungsverbote für Bonner und Siegburger Clubs

Trotz der Veranstaltungsabsagen gibt es für die Konzertveranstalter in der Region keine Atempause - ganz im Gegenteil. So viele Events müssen verschoben werden. „Wir sind optimistisch, dass es für jedes Konzert einen Ausweichtermin geben wird“, macht ein Bonner Veranstalter Hoffnung.

Von wegen Corona-Pause. Veranstalter in der Region sind zurzeit im Dauereinsatz. „Seit zehn Tagen arbeite ich 16 Stunden am Tag, um mit Agenturen, Künstlern und allen Leuten, die an einem Konzert beteiligt sind, über Alternativpläne zu sprechen“, sagt Manuel Banha, der unter anderem das Over the Border-Festival organisiert, das vom 20. bis 30. März geplant war, jetzt aber natürlich nicht stattfinden kann. „Wir sind optimistisch, dass es für jedes Konzert einen Ausweichtermin geben wird“, sagt der Bonner Konzert- und Eventveranstalter.

So wie Banha geht es allen Veranstaltern. Ernst-Ludwig Hartz hat die nächsten Konzerte in Clubs und Hallen bis April verlegt. „Layla Zoe wird jetzt am 22. November in der Harmonie auftreten, die Bands Gotthard und Magnum sollten Ende April im Kölner E-Werk spiele, die kommen jetzt am 11. Januar 2021 und zwar ins Carlswerk Victoria. Wir bemühen uns nun, für alle ausgefallenen Events einen Ausweichtermin zu bekommen“, so Hartz, der für seine Open-Air Shows auf der Hofgartenwiese im Mai und die KunstRasen-Reihe in der Gronau noch recht optimistisch ist. „Wir beobachten die Situation sehr genau und sind im engen Kontakt mit den Behörden“, sagt der 60-jährige Bad Godesberger, gibt aber zu, dass das alles ein „Kraftakt“ sein wird. Seine Sorge gilt all jenen, die als Selbstständige an der Situation leiden werden. „Das fängt bei den Bühnenarbeitern und den Hilfskräften an und geht weiter bis zur Security, den Technikern und den Leuten, die die Gastronomie anbieten. Sie alle werden kein Geld verdienen, von den kleinen Kulturschaffenden mal ganz abgesehen“, sagt Hartz.

„Vieles ist mit einem Fragezeichen verbunden“

Wolfgang Koll, einer der drei Betreiber der Harmonie in Endenich, ist derzeit dabei rund 40 Konzerte umzubuchen. „Vieles ist ja mit einem Fragezeichen verbunden, denn wir wissen ja gar nicht, wie lange die Corona-Krise anhält“, sagt er. Für Banhas Over the Border-Festival will er die Sommerpause verkürzen, so dass die ersten Konzerte schon Anfang September anlaufen könnten. Er sei immerhin froh, dass er für Konzerte, wie etwa die seit Monaten schon ausverkauften Club-Auftritte der Bläck Fööss, neue Termine benennen könnte. Die Kölner Mundart-Musikgruppe wird nun am 14. und 15. September auf der Harmoniebühne stehen. „Die Tickets behalten ihre Gültigkeit. Wer eine Karte für den 31. März hat, der kommt damit am 14. September rein, die Tickets für den 1. April sind für das Konzert am 15. September gültig“, sagt Koll.

Er hat am vergangenen Wochenende erlebt, wie sich die Situation von einem Tag zum anderen ändern kann. Zwei Tage des Crossroads Festivals liefen noch mit Publikum, am Freitag und Samstag wurden die Konzerte dann vom WDR Rockpalast ohne Publikum übertragen. „Das war schon ganz schön gespenstig“, sagt Koll. „Nachdem wir die amtliche Bekanntmachung erhielten, haben wir sofort den Kontakt zum Ordnungsamt gesucht und gefragt, ob wir die Konzerte wenigstens ohne Zuschauer aufzeichnen und übertragen dürfen.“ Aber die Fans waren begeistert. „Es gibt eine ganze Reihe von Gästen, die so angetan waren und uns geschrieben haben, sie würden auf eine Rückerstattung des Ticketpreises verzichten.“

Im Internet gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Initiativen, um Kultureinrichtungen zu unterstützen. Zum Beispiel #Kulturerhalten, die sich für „alle Kulturschaffenden, von Künstlern über Veranstalter über Agenturen, Thekenkräfte, Techniker und viele mehr, die unser Land zu einer bunten kulturellen innovativen Landschaft verhelfen“, einsetzt. Oder die #AktionTicketBehalten, die anregt, Konzerttickets nicht zurückzugeben – auch wenn die Veranstaltung ersatzlos gestrichen werden sollte.

Suche nach möglichen Ersatzterminen

„Das kann man nicht von jedem erwarten, es gibt ja auch Leute, die auf das Geld angewiesen sind. Aber es wäre eine schöne Geste“, sagt Jürgen Both von Rock-Times Production. Seine Konzerte in Bonn und Köln würden „zu 90 Prozent“ bis in den Mai hinein nicht stattfinden. Auch er ist dabei, für alle Konzerte Ersatztermine zu buchen. „Das wird schwer, weil die Künstler ja teilweise auf Europatour sind. Wenn sie in ein zwei Ländern keine Konzertzusage haben, dann sagen die alles ab“, sagt er.

„Die finanziellen Einbußen bleiben, egal, ob ich ein Konzert verschiebe oder nicht“, sagt Hanjo Roland vom Siegburger Kubana Club. Wenn ich die Drones vom 20. März auf den 20. Februar 2021 verlege, dann fehlen mir ja die Einnahmen aus dem gestrichenen Tag. Davon abgesehen müssen wir auch auf Einnahmen aus Getränken und Essen verzichten“, sagt der Siegburger, der seinen Besuchern einen täglichen Blick auf die Webseite des Clubs empfiehlt, weil sich praktisch jeden Tag neue Termine ergeben. Was er von der Initiative #AktionTicketBehalten hält? „Das ist ja ein moralischer Appell. Wer sich’s leisten kann, kann damit unter Umständen den Erhalt des kulturellen Lebens unterstützen.“ Auch Banha sieht das so: „Wenn diese Ausnahmesituation bis in den Herbst andauert, trifft das die gesamte Branche, egal ob groß und klein, und da kann einiges kaputtgehen.“

„Wir rotieren im Moment“

„Das Pantheon hatte zum Glück eine sehr erfolgreiche Saison, sodass wir im Moment gut aufgestellt sind und unseren Verpflichtungen eine Zeitlang nachkommen können. Andererseits sind wir aber natürlich auch ein großer Betrieb, der viele Festangestellte und entsprechende laufende Kosten hat, die wir zu 100 Prozent selbst erwirtschaften müssen“, sagt Martina Steimer, künstlerische Leiterin des Pantheon Theaters. „Wir rotieren im Moment, um so viele Termine wie möglich zu verlegen und zu retten – von März bis Mai haben wir dieses Jahr so viele ausverkaufte Shows wie noch nie, diese ersatzlos ausfallen zu lassen würde eine Lücke reißen, die kaum zu schließen ist. Außerdem prüfen wir im Moment, ob es die Möglichkeit staatlicher Hilfen gibt, das würde uns sehr entlasten. Denn es ist ja nicht nur die Krise, danach steht uns auch noch die Sommerpause ins Haus, im schlimmsten Fall reden wir hier über gut ein halbes Jahr ohne Einnahmen, das übersteht kein privater Kulturbetrieb!“

Solche Sorgen macht sich auch Bert Jakwerth, der für die Gastronomie in der Harmonie zuständig ist. „Der Umsatz ist in den letzten Tagen um 90 Prozent eingebrochen. Für uns lohnt es sich nicht, bis 18 Uhr zu öffnen, weil wir ja auch vom Konzertbetrieb leben. Deshalb haben wir uns entschlossen, die Harmonie jetzt erstmal ganz zu schließen.“ 14 Festangestellte hat der Club, die vielen Mini-Jobber und studentischen Hilfskräfte nicht mitgezählt. „Zurzeit werten wir die Ware aus und dokumentieren, was wir entsorgen und nicht mehr gebrauchen können.“ Andererseits, so Jakwerth, habe man jetzt auch Zeit, lange anstehende Renovierungsarbeiten anzugehen. Sein Kollege Wolfgang Koll bedankt sich für die moralische Unterstützung der Stammkunden: „Das baut auf, wenn wir aufmunternde E-Mails bekommen. Und wir appellieren an unsere Gäste, bitte mit der Rückgabe von Tickets zu warten, bis wir über alles Klarheit haben.“