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Konzert in Köln: Concertgebouw-Orchester Amsterdam glänzte mit Beethoven und Berlioz

Konzert in Köln : Concertgebouw-Orchester Amsterdam glänzte mit Beethoven und Berlioz

"Kaum hat er die Seele mit süßer Melancholie durchdrungen, so zerreißt er sie wieder mit barbarischen Akkorden. Er scheint mir Tauben und Krokodile zugleich in sich einzuschließen." So urteilte ein französischer Kritiker über die zweite Aufführung von Beethovens 2. Sinfonie D-Dur 1811 in Paris und verlieh damit dem Befremden Ausdruck, das viele Zeitgenossen beim Hören der kühn neuartigen Musik verspürten.

Für heutige Ohren klingt die 2. Sinfonie vertraut - vor allem, wenn sie so gespielt wird wie vom Königlichen Concertgebouworchester Amsterdam (KCO) in der Philharmonie. Mit Myung-Whun Chung steht ein Dirigent am Pult, der den spannungsreichen sinfonischen Diskurs der Zweiten ganz genau zu lesen weiß. Ungeheuer konzentriert nimmt das Drama des ersten Satzes seinen Lauf.

Der schnelle Schlagabtausch von grimmigen Parolen und eleganten Gegenargumenten bietet dem KCO Gelegenheit, seinen brillanten Klang zur Schau zu stellen. Frische, Präzision und kontrolliertes Temperament kennzeichnen auch die übrigen Sätze: Beredt plaudern die Instrumente im Larghetto, bevor sie sich mit den harten dynamischen Kontrasten und dreinfahrenden Synkopen des Scherzos recht widerborstig gebärden - doch der mit sparsamen Gesten souverän agierende Dompteur Myung-Whun Chung hat sie im Griff und verhindert sinnlose Gewaltausbrüche. Auf diese Weise ist die Sinfonie ein Vorgeschmack auf das, was nach der Pause kommt: die Symphonie fantastique von Hector Berlioz.

Der schauerromantische Monolith der Programm-Musik war seiner Zeit noch weiter voraus als Beethovens Zweite der ihren. Seine bizarren Fantasien in Form und Klang setzen jedes Orchester der tödlichen Versuchung aus, die ganz große Show abzuziehen. Doch Myung-Whun Chung lässt Berlioz' Magie und Sinnlichkeit aufleuchten, gerade indem er auf Effekthascherei verzichtet. Das KCO spielt einfach das, was der Komponist geschrieben hat und achtet dabei auf Ausgewogenheit, differenzierte Dynamik und Details der Phrasierung.

So lebt etwa die Walzerseligkeit im zweiten Satz auch von der durchsichtigen Akkuratesse der Streicher, und die "Szene auf dem Lande" nimmt der Dirigent mit so viel Ruhe, dass man sich wundert, wie ein groß besetztes Orchester, wie eine ganze Bühne voller Leute so viel Einsamkeit heraufbeschwören kann. Mit einer teuflisch guten Walpurgisnacht endet der Auftritt des KCO, den der ausverkaufte Saal mit Bravo-Rufen honoriert.