Cindy aus Marzahn im Bonner Pantheon: "Ich wollte 'ne Prinzessin sein"

Cindy aus Marzahn im Bonner Pantheon: "Ich wollte 'ne Prinzessin sein"

Konzentrat altbekannter Stereotypen - Programm bedient meist nur Comedystandards - Aus Zeichentrickserien Gags geklaut

Bonn. Am Ostrand von Berlin liegt der Bezirk Marzahn. Hier leben in riesigen Gebäuden mit Hunderten kleiner Wohnungen meist Menschen vom unteren Ende der Einkommensskala, darunter sehr viele Wendeverlierer. Und Cindy aus Marzahn, die Figur, mit der Komikerin Ilka Bessin seit 2004 Preise gewinnt, verkörpert alle nur erdenkbaren Klischees über solche arbeitslosen Ostberliner.

Im Pantheon konnte sich das Publikum an zwei Abenden in Cindys Programm "Schizophren - Ich wollte 'ne Prinzessin sein" davon überzeugen. Cindy trägt eng anliegende, pinke Klamotten, obwohl sie stark übergewichtig ist. Ihre Augen und Lippen sind übertrieben im selben Farbton bemalt, die Haare schlecht blond gefärbt. Sie ist frech und vorlaut, allerdings auch herrisch und ein wenig zurückgeblieben. Ihr Freunde und Verwandte haben Namen wie Justin-Kevin und Shania-Aphrodite, und ihre Habseligkeiten trägt sie in einer Plastiktüte auf die Bühne.

Damit ist Cindy aus Marzahn nichts als ein Konzentrat altbekannter Stereotypen, und man erwartet von vornherein eigentlich nichts Neues oder Originelles von ihr. Doch hier gelingt Ilka Bessin eine halbe Überraschung. Das Programm ist tatsächlich kaum der Rede wert, bedient meist nur Comedystandards oder erzählt genau die Geschichten, die man von einer solchen Figur erwartet. Mit was für furchtbaren Männern sie zusammen war, wie ihre Tochter die "Supernanny" von RTL herbeiruft oder wie sie eben ihr Umfeld terrorisiert.

Manche Gags sind sogar direkt aus Zeichentrickserien geklaut. Cindys Besuch beim Arbeitsamt und im Internetcafé sind noch die einfallsreichsten Nummern. Der Ton aber macht hier wirklich die Musik. Bessin lässt sich nämlich vollkommen mit ihrem Publikum ein. Jederzeit kann sie den Text unterbrechen, um eine spontane Pointe einzubauen. Auch die sitzt nicht immer, jedoch meist besser als das vorgefertigte Programm.

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