Schiller in der Lanxess-Arena: Chillen mit Schiller

Schiller in der Lanxess-Arena : Chillen mit Schiller

6500 Fans lauschen beim Konzert in der Kölner Lanxess-Arena den glasklaren Elektronik-Sounds des Musikers.

Warten, bis man durch den Stau ist. Nervenzehrend, besonders wenn 6500 Gäste auf einen warten. Dem Perfektionisten Christopher von Deylen, alias Schiller, passierte genau dies an diesem Abend. Das Konzert in der Lanxess-Arena konnte erst eine Stunde später beginnen, weil Absperrungen für den Köln-Marathon zu einer ungeplant langen Taxifahrt zwangen. Weder ihn, noch seine Band oder das Publikum schien die Misslichkeit aus der Balance zu werfen.

Wer dennoch unruhig wurde, konnte seine Herzfrequenz während des Konzerts auf einen Ruhepuls um die 60 Schläge pro Minute herunterfahren. Schwerelose Klangwelten im perfekt ausgetüftelten Surround-Sound wirkten besser als Betablocker. Der britische Lichtmeister Vince Froster schuf dazu einen stimmigen Farbhintergrund, indem er auf reizüberflutende Videoinstallationen gänzlich verzichtete.

Die tranceartigen Stücke des Abends heißen „Schwerelos“, „Future III“, „Nachtflug“, „Rubinrot“, „Mitternacht“, „Paradise“. Das klingt nach schwurbeligem New-Age-Geraune, Wellness-Oase und Flucht aus dem Alltag. Aber ist es so schlimm, wenn die Musik das hält, was der Kritikerverstand vorher erahnt? Schiller ist Ambient-Musik, manchmal nahe am New-Age-Kitsch. Aber gut, eingängig und überzeugend perfekt gemacht. Seine Live-Band mit Flo Dauner am Schlagzeug (Fanta Vier), Dough Winbish (Rolling Stones, Madonna) am Bass, Micky Meinert an der Gitarre, machen den Abend zu einem Hörgenuss, der weit über das CD-Erlebnis hinausgeht – sei die Anlage noch so hochpreisig. Die glasklaren Stimmen seiner Sängerinnen Tricia, Arlissa und Carmel setzen Höhepunkte, die Schiller braucht, um nicht ins Belanglose abzugleiten.