Jazzfest Bonn : Champions League

Sie ist Botschafterin und Brückenbauerin, Meisterin des Dialogs und verschmitz multikulturell: Einen besseren Gast als Efrat Alony zum 50. Jahrestag der Aufnahme deutsch-israelischer diplomatischer Beziehungen hätte sich wohl kaum finden lassen.

Punktlandung im Haus der Geschichte, wo Alony beim Jazzfest Bonn am Mittwoch mit ihrem Trio und einem Soundtüftler auf eine musikalische Reise von ihrer israelischen Heimat über Afrika nach Südamerika ging, nebenher noch Ornette Colemans "Lonely Woman" interpretierte, in erster Linie aber an ihrem Klangkosmos arbeitete. Sie hasse Computer und habe trotzdem eine computerbasierte Band gegründet, kokettierte die Sängerin, die mit ihrer voluminösen, mal dunkel gründelnden mal strahlenden Stimme eigentlich keiner technischen Verstärkung oder Verfremdung bedarf.

Das Trio - mit Oliver Leicht (Klarinette) und Frank Wingold (Gitarre) - setzte aber exzessiv auf Elektronik, auf Verzerrungen und Loops. Weniger wäre mehr gewesen. Trotzdem ein starker Auftakt zu einem Abend, der sich mit dem Trio des Gitarristen Wolfgang Muthspiel - parallel zum Fußballkrimi Barça-Bayern - in die Champions League aufschwang.

Muthspiel glänzte als Meister geschmeidiger Läufe und hingetupfter Akkorde auf E- und Akustikgitarre. Die Mitspieler, der Bassist Larry Grenadier und der Schlagzeuger Jorge Rossy (beide auch Trio-Partner des Jazzpianostars Brad Mehldau), reagierten wunderbar auf Muthspiels genialische Einfälle. Er wiederum suchte immer wieder den Dialog mit den beiden, forderte förmlich einzelne Soli ein. Eine Kommunikation, die auf ein ganz tiefes Verständnis fußt, musikalisches Gespür und individuelle Freiheit großschreibt. Hochkonzentriert spannte das Trio sein musikalisches Koordinatennetz aus, interpretierte Joni Mitchells "Amelia", bezog sich auf den Saxofonisten Michael Brecker, den Gitarristen Ralph Towner und den Pianisten Mehldau.

Im Gepäck hatten Muthspiel & Co. Nummern aus der aktuellen CD "Driftwood" vom temporeichen Latin-Stück "Uptown" und dem Brecker gewidmeten "Bossa" bis zum akustischen Leckerbissen "Cambiata" und dem experimentellen "Highline". Bestechend war der kompakte Sound, den die Drei vom Studio auf die Bühne des Hauses der Geschichte retten konnten. Das hat man selten. Muthspiel, Grenadier und Rossy haben dem Jazzfest einen ganz besonderen Abend geschenkt.