Musical in Köln: Bühnenstück mit Wolfgang Petrys Hits

Musical in Köln : Bühnenstück mit Wolfgang Petrys Hits

„Das ist Wahnsinn!“: Die Hits von Wolfgang Petry werden im Kölner Musical Dome in eine Geschichte gepackt, in der vier Paare ihr Glück suchen.

Auf dem Teppichboden im Foyer klebt ein Schnurrbart-Imitat. Einer der Wolfgang-Petry-Klone, die Donnerstagabend zur Premiere von „Das ist Wahnsinn!“ im Musical Dome erschienen sind, muss es verloren haben. Anders als man glauben könnte, dreht sich das nach Petrys Hymne von 1983 benannte Bühnenstück nicht um Leben und Karriere des Schlagersängers und Songschreibers. Es ist ein so genanntes Jukebox-Musical. Heißt: um die Hits herum wird eine Geschichte gestrickt. Das macht es einfacher. Man muss keine neue Musik schreiben, sondern kann stattdessen auf den Wiedererkennungseffekt des vorhandenen Materials bauen.

Und, in diesem Fall, auch auf jemand, der Kultstatus genießt. Petry, das ist der Kerl, der „Hölle! Hölle! Hölle!“ singt, der kiloweise Freundschaftsbändchen trägt, Schnauzer, schulterlange Wallelocken und Holzfällerhemden. Auch wenn Franz Hubert Wolfgang Remling, wie der 68-Jährige mit bürgerlichem Namen heißt, heute ganz anders aussieht. Seine Fans tragen weiter kariert. Dazu passt ein Holzfällerfest im Musical, und am Merchandise-Stand dürfen natürlich auch die bunten Baumwollbändchen für ums Handgelenk nicht fehlen.

Angesiedelt ist das Stück im Ruhrgebiet

Im Mittelpunkt von „Das ist Wahnsinn!“ stehen vier Paare. Zwei, die es schon länger sind. Und zwei, die es noch werden sollen. Sabine (Vera Bolten) lässt Ehemann Peter (Enrico de Pieri) sitzen, weil der sie vernachlässigt. Bei Karsten (Markus Dietz) und Gabi (Jessica Kessler) hingegen hat sich Routine breitgemacht, wo einstmals Schmetterlinge zum Traualtar führten. Ihr gemeinsamer Sohn Tobi (Thomas Hohler) verknallt sich Hals über Kopf in die geheimnisvolle Gianna (Dorina Garuci). Und Wolf (Mischa Mang), in dessen Kneipe sich alle treffen, trauert immer noch Ferienliebe Jessica (Carina Sandhaus) hinterher. Angesiedelt ist das im Revier, im Bühnenbildschatten des Zeche-Zollverein-Förderturms und mit ruhrdeutschem Zungenschlag durchsetzt. Der PC (Petry Correctness) entspricht das zwar nicht, weil der in Raderthal geborene und in der Südstadt aufgewachsene „Wolle“ ein echter kölscher Jung ist, aber die Autoren Heiko Wohlgemuth und Martin Lingnau fanden, dass „die Erdigkeit der Songs“ sich gut mit der „Erdigkeit der Menschen im Pott“ verzahnt.

Erdig ist „Das ist Wahnsinn!“ fürwahr. Wer auf Musicals mit Glamoureffekt steht, ist im Publikum fehl am Platz. Die Helden und Heldinnen arbeiten auf dem Schrottplatz oder betreiben eine Kneipe, tragen Bommelpuschen beim Bügeln oder sind die Tochter des örtlichen Pizzabäckers. Statt Schampus steht Pils auf dem Programm. Das aber, um im Bild zu bleiben, zumindest gut gezapft ist. Seinem Bildungsauftrag – „Man darf sich nur nicht unterkriegen lassen, dann schafft man es auch!“ wird das Stück unbedingt gerecht. Und verbreitet dabei gute Laune: Mitsingen und Mitklatschen ist obligatorisch, die eingebauten Lacher funktionieren.

Stimmlich überragt Dorina Garuci als Gianna ihre Mitspieler, für die Rolle des Brummifahrers Peter ist Enrico de Pieri die falsche Besetzung. Wenn er mit seiner opernhaften Attitüde Textzeilen wie „Das geht mir voll am Arsch vorbei“ singt, wirkt das unfreiwillig komisch. Der zweite Akt, der in Bahia del Sol spielt, bedient sich sehr ungeniert bei „Mamma Mia!“ (Liebespaar auf sonniger Insel findet sich nach Jahrzehnten wieder). Schadet aber nichts. Auch das hatte einen Riesenerfolg. So wie Petry.

„Das ist Wahnsinn! Das Musical mit den Hits von Wolfgang Petry“, bis 14.04 im Kölner Musical Dome. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers sowie im Internet auf www.bonnticket.de.

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