Kammermusik Köln im Gemeindesaal: Brücken in die Gegenwart

Kammermusik Köln im Gemeindesaal : Brücken in die Gegenwart

"Brücken" lautete das Motto des Abends, in dem die Musiker der "Kammermusik Köln" rund um den Oboisten Tom Owen Werke des Barock solchen aus dem Jazz gegenüberstellten.

Eine auf dem Papier vielleicht etwas gewagte Kombination, die sich aber im Historischen Gemeindesaal der Bad Godesberger Erlösergemeinde als großartiges Konzerterlebnis herausstellen sollte.

Im Zentrum der neuen Werke stand die Musik des Schweizer Saxofonisten und Komponisten Daniel Schnyder. Der Musiker ist bekannt für sein Spiel mit Stilen und Genres: Er greift auf Elemente aus der Weltmusik zurück, ebenso auf den Jazz, aber natürlich auch auf die klassische zeitgenössische Musik.

Sein Werk "Colossus of Sound" stand am Beginn und wurde statt von Sopransaxofon und Cello von Oboe (Tom Owen) und Fagott (Pieter Nuytten) interpretiert. Bereits hier bewiesen die beiden Musiker bestes Zusammenspiel, und es war geradezu großartig, Tom Owen als Jazzer zu hören.

Dieses Vergnügen setzte sich fort in Keith Jarretts "Bridge of Light" für Oboe und Streichquartett sowie in Schnyders "Cairo" für die gleiche Besetzung. Wunderbar dicht waren die Klänge in Jarretts Werk: musikalisch dicht, organische Entwicklungen des Klangs und dabei immer in einem harmonischen Fluss.

Ein großes Lob gebührt der jungen Cellistin Angela Chang, die kurzfristig für den erkrankten Oren Shevlin eingesprungen war und ihren Part bravourös meisterte.

Im zweiten Teil des Abends wurden die Einflüsse der Weltmusik in Schnyders Oeuvre noch deutlicher in seinem Streichquartett "Great Places", das sich musikalisch zwischen Asien, Orient und Amerika bewegt.

Ergänzt wurden die Werke von Schnyder, Jarrett und Marsalis durch Triosonaten von Georg Philipp Telemann, die zu wunderbaren Dialogen der jeweiligen Soloinstrumenten wurden.

Weiteres Glanzlicht war die Bearbeitung von Claudio Monteverdis "Pur ti mirò", dem Schlussduett aus der "Poppea" - Musik zum Sterben schön! Den Abschluss bildete Wynton Marsalis' "Meeelaan" für Fagott und Streichquartett, wobei noch einmal Fagottist Pieter Nuytten brillierte.

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