Liederabend im Kammermusiksaal: Bonns "Lohengrin" Mirko Roschkowski auf "Winterreise"

Liederabend im Kammermusiksaal : Bonns "Lohengrin" Mirko Roschkowski auf "Winterreise"

Der gefeierte Tenor singt Samstag, 16. Februar Schuberts Lieder-Zyklus in einer ungewöhnlichen Version mit Streichquartett-Begleitung.

Eines Tages werden Sie den Lohengrin singen“, prophezeite die große Sopranistin Edda Moser dem Sänger Mirko Roschkowski 2002 in einer Unterrichtsstunde. Diese Einschätzung überraschte den jungen Studenten dann doch.

„Damals war ich ja noch gar nicht professioneller Sänger“, erzählt er im Gespräch. Eine Wagner-Stimme hätte zu diesem Zeitpunkt einer, der weniger von Gesang versteht als Moser, in dieser Kehle gewiss nicht vermutet. Bis heute ist seine vor allem an Mozart und dem französischen Fach geschulte Stimme nicht die eines stählernen Wagner-Helden.

Aber gerade die lyrische Seite sollte seine Stärke sein. Insgeheim war der Weg von Mozart über Berlioz, Delibes und Gounod für ihn immer die logische Route, die irgendwann zum deutschen Fach und zu Wagner führen würde. Und tatsächlich behielt Edda Moser Recht: Zurzeit feiert Roschkowski im Bonner „Lohengrin“ in der Titelpartie nicht nur sein Wagner-Debüt, sondern auch einen Riesenerfolg. Das Publikum ist hingerissen, und die Presse ist es auch: „Seine Piano-Einsätze sind nicht von dieser Welt, und in der Gralserzählung kann er den lyrischen Schmelz seiner Stimme voll entfalten“, schwärmte GA-Kritikerin Gunild Lohmann nach der Premiere im vergangenen November.

Es wundert eigentlich nicht, dass der aus Dortmund stammende Sänger mit diesem „lyrischen Schmelz“ als Stimmkapital sich nicht nur auf der Opernbühne zu Hause fühlt. Seit jeher gilt seine Liebe dem romantischen Lied. In der kommenden Woche kann man im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses Ohrenzeuge dieser Leidenschaft werden. Roschkowski singt Franz Schuberts „Winterreise“, ein Liederzyklus, dessen Tiefe der Pianist Alfred Brendel einmal sehr lapidar in einem Satz konzentrierte: „Bei aller Todesnähe rechtfertigt die Existenz dieser Lieder unser Leben.“

BoArts Quartett aus Bochum

Das Besondere an diesem Abend aber ist, dass Roschkowski nicht mit einem Pianisten in den Kammermusiksaal kommen wird, sondern gleich mit einem ganzen Streichquartett: das aus Streichern der Bochumer Symphoniker sich rekrutierende BoArts Quartett, mit dessen Primaria Ismene Then-Bergh der Sänger eng befreundet ist. Nachdem er ihr über seinen Wunsch, die „Winterreise“ aufzuführen erzählt hatte, sei sie irgendwann auf eine Bearbeitung des Zyklus für Tenor und Streichquartett von Jens Josef gestoßen. „Es ist schon eine Referenz, wenn Peter Schreier sie auf CD veröffentlicht hat“, sagt er. „Wir haben dann im neuen Bochumer Konzertsaal, dem Anneliese Brost Musikforum, eine Probe gemacht. Und ich muss sagen: Ich war hin und weg. Sie haben so sensibel gespielt, dass meine Sorgen, mit einem Streichquartett nicht so intim musizieren zu können wie mit einem Pianisten, sofort verflogen waren.“ Aber er sagt auch: „Ich möchte die Originalfassung mit Klavier nicht missen. Das Streichquartett ist kein Ersatz. Aber eine Aufführung in dieser Besetzung ist spannend, weil die Streicher ganz andere Farben zur Verfügung haben.“ Schuberts Liederzyklus soll noch nicht das Ende der Reise sein: „Ich möchte so gern Mahler machen!“ Vor allem die „Kindertotenlieder“ würden den Sänger reizen.

Doch nach unserem Gespräch geht es erst einmal wieder in die Probe. Neben seinem Bonner Lohengrin-Engagement bereitet er sich in Köln für die Neuinszenierung von Antonín Dvoráks Märchenoper „Rusalka“ vor, in der er den Prinzen singen wird. Premiere ist am 10. März im Staatenhaus.

Samstag, 16. Februar, 19.30 Uhr, Kammermusiksaal Beethoven-Haus: Mirko Roschkowski (Tenor) und das BoArts Quartett mit Ismene Then-Bergh, Iwona Gadzala (Violinen), Marko Genero (Viola) und Christof Kepser (Violoncello) führen Franz Schuberts Liederzyklus „Die Winterreise“ auf. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers sowie im Internet auf www.ga-bonn.de/tickets.

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